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VDI-Nachrichten - 02.03.2001
 
Design: Rido Busse ist seit 25 Jahren geistigem Diebstahl auf der Spur. Produktpiraten immer dreister.

Mitte Februar wurde auf der Frankfurter Messe "Ambiente" zum 25. Mal der Plagiarius "verliehen". Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel vergab den schwarzen Gartenzwerg mit goldener Nase für die dreistesten Produktpiraterien.

Mit der "Aktion Plagiarius" kämpft der Design-Professor Rido Busse seit 1976 gegen geldgierige Fälscher und Nachahmer von Produkten, die mit ihren Plagiaten nach Angaben der Europäischen Kommission auf 5 % bis 7 % des gesamten Welthandels kommen.

Den 1. Preis vergab eine aus Vertretern von Wirtschaft, Design und Medien bestehende Jury an die Firma Lauder in Griechenland, die einen Wasserkocher der Siemens + Bosch Hausgeräte GmbH, München, bis ins kleinste Detail kopierte. Der 2. Preis wurde der Heinrich Deichmann KG in Essen für das Plagiat eines Rucksacks der Firma Bree Collections in Isernhagen zuerkannt, und der 3. Preis ging an die chinesische Evergood Industrial Ltd. für die Imitation eines Korkenziehers von Brabantia Nederland BV.

Zudem wurden "Auszeichnungen" an drei deutsche und vier chinesische Unternehmen vergeben. Die von ihnen kopierten Produkte reichen vom simplen Haushaltsgegenstand bis zum Hightech-Verkehrsmittel: ein Bar-1 Kompass, ein Brettspiel, zwei Isolierkannen, ein Eiskratzer, ein Hausgeräte-Sortiment und eine komplette "Niederflurstraßenbahn".

Den "Sonderpreis für Wiederholungstäter" erhielt die Firma Glaser in Groß-Umstadt für das Plagiat einer Türgriff-Kollektion von Schneider + Fichtel in Rottenburg, und einen "Jubiläums-Plagiarius" bekam M. Westermann & Co. in Arnsberg für das Imitieren eines Kreuzschwingers. Dieser Stuhl wurde als Ganzes oder in Teil-Elementen einschließlich aller Ausführungs-, Gestaltungs- und Material-Varianten bislang 101-mal von nationalen und internationalen Produktpiraten plagiiert. Eine ärgerliche Bilanz der Entwicklung in den zurückliegenden 25 Jahren zog Plagiarius-Initiator Busse: "Die Plagiate werden immer besser, und zwar besser nicht im Hinblick auf die Qualität, sondern besser im Hinblick darauf, dass man sie schwerer packen kann." Richter würden sehr oft nur die Produkte nebeneinander legen, und wenn die Übereinstimmung nicht 100-%ig sei, dann werde sie nicht festgestellt. Die Plagiatoren nützen dies, indem sie gerade so viel Details verändern, dass sie bei Gericht mit ihren Nachahmungen durchkommen. Trotz der minimalen, aus juristischen Gründen erforderlichen Änderungen profitieren sie von ihrer Piraterie, weil der Eindruck des Identischen mit dem Original erhalten bleibt. Von den Produktfälschern wird enormes Geschick entwickelt, wenn es darum geht, den doch etwas strenger gewordenen gerichtlichen Bewertungen mit raffinierten Tricks auszuweichen.

Höchst verwundert zeigte sich Hans-Olaf Henkel in seiner "Laudatio" auf die Preisträger angesichts der Skrupellosigkeit, mit der die Plagiatoren geistigen Diebstahl begehen. Er stellte fest, dass es zwar nicht grundsätzlich falsch ist, wenn man sich an guten Vorbildern orientiert. Doch das "Abkupfern vom Produkten" habe nichts zu tun mit dem Ausrichten an den Besten, für das sich der Ausdruck "Benchmarking" eingebürgert hat. "Es gibt inzwischen fast nichts, was nicht nachgeahmt wird, und es sind in großem Umfang auch Industriegüter - bis hin zu Flugzeugteilen," beklagte Henkel. Besonders hart sei die Software-Industrie betroffen; in der EU werde nach Schätzung der Kommission fast 40 % der Umsätze mit kopierter Software erzielt. Deshalb empfahl er allen Unternehmen, die rechtlichen Schutzmöglichkeiten durch Patente, Marken, Geschmacksmuster und Urheberrechte auszunutzen.