Sein Name ist Rido Busse und seine
Mission heißt "Kampf den Plagiaten". Die
von ihm gegründete Initiative "Aktion Plagiarius"
vergibt alljährlich einen Preis für das Produkt,
das ein Original am perfektesten nachahmt. Damit
soll die Öffentlichkeit und der Gesetzgeber stetig
auf die Produkt-Piraterie und ihre Folgen für Hersteller
und Kunden aufmerksam gemacht werden.
Gerade in diesen Tagen wurde der "Plagiarius
2002" wieder in Frankfurt am Main verliehen.
Der Professor und Designer Rido Busse erzählt Geschichten
und Anekdoten rund um Produkte und Markenpiraten.
Die "Aktion Plagiarius"
1977 entdeckte der Diplom-Designer Busse auf einer
Messe in Frankfurt am Main eine Brief- und Diätwaage,
die Jahre zuvor von seiner Designfirma entwickelt
und von der Firma Soehnle bereits 1965 auf den Markt
gebracht worden war. Doch die Waage, die Busse in
den Händen hielt, stammte von einem Hersteller aus
Hongkong, der das Produkt aus dem Schwäbischen einfach
kopiert hatte - ohne Genehmigung. Und nicht nur
das: Der Hersteller aus Fernost verlangte für "seine"
Waage mehr als 50 Prozent weniger. Die Ähnlichkeit
der beiden Produkte war aber nur äußerlich: Statt
hochwertigem ABS-Kunststoff verwendete der Plagiator
Polypropylen, was die Genauigkeit des Wiegens beträchtlich
beeinflusste. Die Firma Soehnle erwirkte eine einstweilige
Verfügung und dem Plagiator aus Hongkong wurde der
Vertrieb der Waage untersagt. Zu diesem Zeitpunkt
waren bereits 100.000 Stück der billigen nachgemachten
Waagen verkauft worden.
Negativpreis gegen Produkt-Piraterie
Das Schutzrecht ließ Produkt-Piraten viele Möglichkeiten
zu Mogeln offen, musste Rido Busse feststellen.
Schnell stand sein Entschluss fest, durch die Vergabe
eines Negativpreises die Medien, die Öffentlichkeit
und vor allem den Gesetzgeber auf diesen Missstand
aufmerksam zu machen. Den Preis nannte er "Plagiarius"
und erster Preisträger war der eben jener Waagen-Hersteller
aus Hongkong. Jedes Jahr findet seither die "Plagiarius"-Verleihung
statt. 1980 übernahm der Verband Deutscher Industrie-Designer
VDID die Schirmherrschaft, und seit 1986 ist die
"Aktion Plagiarius" ein Verein.
Aktion hat einiges bewegt
Eine ganze Menge hat sich seit der Gründung der
"Aktion Plagiarius" getan: die Öffentlichkeit
und der Gesetzgeber sind für das Problem der Produktpiraterie
sensibilisiert worden. Auch die Unternehmen haben
verstanden, dass sie gegen die Billig-Piraten vorgehen
muss, um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden. Der
Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) hat den
Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt-
und Markenpiraterie (APM) gegründet: auf Antrag
durch den Originalhersteller werden nach Deutschland
eingeführte Plagiate und Fälschungen beschlagnahmt
und aus dem Verkehr gezogen.
Der öffentliche Druck ist inzwischen derart hoch,
dass jährlich zwischen 5 und 10 Prozent der eingereichten
Plagiate von den Plagiatoren selbst wieder vom Markt
genommen werden oder sie sich bereit erklären, eine
Lizenz zu zahlen - allein durch die Ankündigung,
das nachgemachte Produkt in den Wettbewerb um den
"Plagiarius" aufzunehmen.
Plagiate zum Anschauen
Die schönsten Plagiate werden jetzt auch ausgestellt:
im vergangenen November wurde in Berlin das Plagiarius-Museum
eröffnet. Auf 120 Quadratmetern können dort die
Besucher Originale und Kopien miteinander vergleichen.
Busse wählte den Standort seines Museums ganz bewusst
in der Nähe des Regierungsviertels. Er wollte "ganz
nah an der Bundespolitik" sein, damit "vielleicht
der Bundeskanzler mal mit einer asiatischen Delegation
vorbeischaut."
Weitere Informationen Der Verein gegen Produkt-Piraterie
ist per Telefon unter 07308 / 922 422 oder per Post
unter:
Aktion Plagiarius, Nersinger Straße 18, 89275 Elchingen/Unterelchingen
erreichbar.
Das Plagiarius-Museum befindet sich in Berlin-Prenzlauer
Berg in der Schönhauser Allee 37.