Negativpreis auf "Ambiente" verliehen
Garderobe kopiert
Der schwarze Zwerg " Plagiarius" wandert nach China:
Auf dem ersten Platz im Wettbewerb um Ideenklau
landete ein Garderobenständer.
ROLF OBERTREIS - FRANKFURT/MAIN
Weltweit werden ungehemmter denn je Produkte kopiert
und nachgemacht. Dabei kommen die Plagiate längst
nicht mehr nur aus Fernost. "Nachahmungen haben
Hochkonjunktur. Dabei haben auch europäische und
amerikanische Unternehmen gelernt, dass man mit
Plagiaten und Fälschungen schnelles Geld verdienen
kann", sagte der Oberelchinger Professor Rido
Busse von der Aktion Plagiarius am Rande der weltgrößten
Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt. Weltweit
wird der jährliche Schaden durch Produktpiraterie
mittlerweile auf bis zu 300 Mrd. Euro geschätzt.
Die Zahl der in diesem Jahr eingereichten Plagiate
habe sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Die Jury, in der Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft
sitzen, hat in diesem Jahr den ersten Preis in diesem
Negativwettbewerb einem chinesischen Hersteller
zuerkannt, dessen Namen unbekannt ist, der aber
von La Foir Fouille in Frankreich vertrieben wird.
Nach Ansicht der Jury haben die Chinesen den Garderobenständer
"Eden" der Firma "Koziol Geschenkartikel GmbH" (Erbach)
abgekupfert. Platz zwei erreichte der Jury zufolge
Calvin Klein Eyewear (New York), für das Plagiat
der Titan-Brille von Silhouette International Schmied
AG (Linz). Der 3. Preis geht an die Firma Pemaks
(Istanbul) für das Abkupfern der Pneumatischen Zylinder
von Festo in Esslingen.
Eichel eröffnet Messe
Eröffnet hatte die "Ambiente" Bundesfinanzminister
Hans Eichel. Nach seinen Worten steht Deutschland
vor einem neuen Wirtschaftsaufschwung. Jüngste Indikatoren
wie der Auftragseingang, die Produktion im Dezember
und die verbesserte Stimmung in der Industrie deuteten
dies an, sagte Eichel. "Wir sind in der Talsohle
drin, von da an geht es aufwärts." Bis Jahresende
könnte das Wirtschaftswachstum eine Dynamik erreichen,
die auf Jahresraten hochgerechnet Werte von rund
3 Prozent entspreche.
Die Stimmung auf der weltgrößten Konsumgütermesse
entspricht allerdings nicht ganz der Zuversicht
des Finanzministers. Viele Aussteller zeigten sich
nur vorsichtig optimistisch. In etlichen Branchen
sieht man im Gegensatz zu Eichel keine Stärkung
der Konsumbasis, sondern eine Abschöpfung von Kaufkraft.