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Südwest Presse - 16.02.2002
 
Negativpreis auf "Ambiente" verliehen Garderobe kopiert

Der schwarze Zwerg " Plagiarius" wandert nach China: Auf dem ersten Platz im Wettbewerb um Ideenklau landete ein Garderobenständer.

ROLF OBERTREIS - FRANKFURT/MAIN

Weltweit werden ungehemmter denn je Produkte kopiert und nachgemacht. Dabei kommen die Plagiate längst nicht mehr nur aus Fernost. "Nachahmungen haben Hochkonjunktur. Dabei haben auch europäische und amerikanische Unternehmen gelernt, dass man mit Plagiaten und Fälschungen schnelles Geld verdienen kann", sagte der Oberelchinger Professor Rido Busse von der Aktion Plagiarius am Rande der weltgrößten Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt. Weltweit wird der jährliche Schaden durch Produktpiraterie mittlerweile auf bis zu 300 Mrd. Euro geschätzt. Die Zahl der in diesem Jahr eingereichten Plagiate habe sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.
Die Jury, in der Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft sitzen, hat in diesem Jahr den ersten Preis in diesem Negativwettbewerb einem chinesischen Hersteller zuerkannt, dessen Namen unbekannt ist, der aber von La Foir Fouille in Frankreich vertrieben wird. Nach Ansicht der Jury haben die Chinesen den Garderobenständer "Eden" der Firma "Koziol Geschenkartikel GmbH" (Erbach) abgekupfert. Platz zwei erreichte der Jury zufolge Calvin Klein Eyewear (New York), für das Plagiat der Titan-Brille von Silhouette International Schmied AG (Linz). Der 3. Preis geht an die Firma Pemaks (Istanbul) für das Abkupfern der Pneumatischen Zylinder von Festo in Esslingen.

Eichel eröffnet Messe
Eröffnet hatte die "Ambiente" Bundesfinanzminister Hans Eichel. Nach seinen Worten steht Deutschland vor einem neuen Wirtschaftsaufschwung. Jüngste Indikatoren wie der Auftragseingang, die Produktion im Dezember und die verbesserte Stimmung in der Industrie deuteten dies an, sagte Eichel. "Wir sind in der Talsohle drin, von da an geht es aufwärts." Bis Jahresende könnte das Wirtschaftswachstum eine Dynamik erreichen, die auf Jahresraten hochgerechnet Werte von rund 3 Prozent entspreche.
Die Stimmung auf der weltgrößten Konsumgütermesse entspricht allerdings nicht ganz der Zuversicht des Finanzministers. Viele Aussteller zeigten sich nur vorsichtig optimistisch. In etlichen Branchen sieht man im Gegensatz zu Eichel keine Stärkung der Konsumbasis, sondern eine Abschöpfung von Kaufkraft.