Ein neues Museum in Berlin prangert
den Ideenklau an. Die goldene Nase auf Kosten anderer
Der Elchinger Design-Professor Rido Busse hat in
Berlin ein Museum gegründet. Es ist seinem Lieblingsthema
ge-widmet, dem Anprangern von Plagiaten.
DETLEV AHLERS BERLIN
"Es ist alles nur geklaut", singen die "Prinzen".
Ein witziges Lied. Aber unkomisch ist es, wenn man
selbst Opfer eines Diebstahls wird. Was tun zum
Beispiel, wenn ein großes Möbelhaus, nennen wir
es Ikea, die Idee eines kleinen Unternehmens nachbaut,
wie sich Ständer mittels einer Metallschiene unebenen
Böden anpassen? Man kann prozessieren, gewiss. Aber
in diesem Fall ist das Prozessrisiko durch alle
Instanzen für den Täter Sache der Portokasse, während
für das Opfer ein ungünstiges Urteil existenzgefährdend
sein kann.
Seit er selbst auf einer Messe 1977 die chinesische
Kopie einer von ihm entwickelten Waage sah, verfolgt
der Elchinger Designer Rido Busse diesen geschäftsschädigenden
Ideen- und Entwicklungs-diebstahl mit der ihm eigenen
Beharrlichkeit. Alljährlich verleiht er einen schwarzen
Gartenzwerg mit goldener Nase, den "Plagiarius",
an den skrupellosesten Produktdieb.
So konnte er mehrmals durch die Androhung dieses
Preises die Täter zu einem Vergleich und zu Lizenzgebühren
zwingen, so kam eine umfangreiche Sammlung zustande,
die nun in Berlin ein Zuhause gefunden hat: das
Museum Plagiarius. In Vitrinen stehen sie paarweise
zusammen, die Originale und die Plagiate. Und in
einem Seminarraum wird Studenten vieler Richtungen
von Jura über die Betriebswirtschaft bis zur Kunst
Weiterbildung zum Thema Rechtsschutz angeboten.
Die Ausstellung zeigt nur das größte Plagiat, den
kompletten chinesischen Nachbau einer deutschen
Straßenbahn, nicht. Ansonsten ist in dieser auch
als Designgeschichte zu genießenden Schau erkennbar,
dass dem Ideenklau offenbar keine Grenzen gesetzt
sind. Vieles stammt aus dem fernen Osten, aber auch
Tchibo und Ikea finden ruhmlose Erwähnung.