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Südwest Presse - 08.11.2001
 
Ein neues Museum in Berlin prangert den Ideenklau an. Die goldene Nase auf Kosten anderer

Der Elchinger Design-Professor Rido Busse hat in Berlin ein Museum gegründet. Es ist seinem Lieblingsthema ge-widmet, dem Anprangern von Plagiaten.

DETLEV AHLERS BERLIN

"Es ist alles nur geklaut", singen die "Prinzen". Ein witziges Lied. Aber unkomisch ist es, wenn man selbst Opfer eines Diebstahls wird. Was tun zum Beispiel, wenn ein großes Möbelhaus, nennen wir es Ikea, die Idee eines kleinen Unternehmens nachbaut, wie sich Ständer mittels einer Metallschiene unebenen Böden anpassen? Man kann prozessieren, gewiss. Aber in diesem Fall ist das Prozessrisiko durch alle Instanzen für den Täter Sache der Portokasse, während für das Opfer ein ungünstiges Urteil existenzgefährdend sein kann.

Seit er selbst auf einer Messe 1977 die chinesische Kopie einer von ihm entwickelten Waage sah, verfolgt der Elchinger Designer Rido Busse diesen geschäftsschädigenden Ideen- und Entwicklungs-diebstahl mit der ihm eigenen Beharrlichkeit. Alljährlich verleiht er einen schwarzen Gartenzwerg mit goldener Nase, den "Plagiarius", an den skrupellosesten Produktdieb.

So konnte er mehrmals durch die Androhung dieses Preises die Täter zu einem Vergleich und zu Lizenzgebühren zwingen, so kam eine umfangreiche Sammlung zustande, die nun in Berlin ein Zuhause gefunden hat: das Museum Plagiarius. In Vitrinen stehen sie paarweise zusammen, die Originale und die Plagiate. Und in einem Seminarraum wird Studenten vieler Richtungen von Jura über die Betriebswirtschaft bis zur Kunst Weiterbildung zum Thema Rechtsschutz angeboten. Die Ausstellung zeigt nur das größte Plagiat, den kompletten chinesischen Nachbau einer deutschen Straßenbahn, nicht. Ansonsten ist in dieser auch als Designgeschichte zu genießenden Schau erkennbar, dass dem Ideenklau offenbar keine Grenzen gesetzt sind. Vieles stammt aus dem fernen Osten, aber auch Tchibo und Ikea finden ruhmlose Erwähnung.