Veröffentlichungen



 
Berliner Morgenpost - 07.11.2001
 
Museum für Ideenklau

pag Prenzlauer-Berg - Professor Rido Busse fuhrt einen erbitterten Privatkrieg. Der 67-jährige Designer aus Ulm, der weder vor dem Tragen von Sandalen mit Socken noch vor dem Zorn asiatischer Konzerne zurückschreckt, deckt seit 1977 internationale Halunken auf, die Produkte kopieren und zu Billigpreisen auf den Markt bringen. Gestern eröffnete er in der Kulturbrauerei auf 200 Quadratmetern sein "Plagiarius-Museum" (Schönhauser'Allee 37, Mi-So., 14-20 Uhr, Eintritt fünf Mark). Mit 150 Exponaten werden jeweils Original und Kopie präsentiert. Einmal jährlich verleiht Busses Jury ihren Schmähpreis "Plagiarius" für besonders dreiste Nachah-mungen. So setzte es beispielsweise 1985 einen "Plagiarius" für jene Firma, die in Salzgitter unverfroren einen genoppten Montageflansch kopiert hatte.

Auch tückische Kopien von Walkmans, Kaffeekannen und Nikolaustag-Socken entgingen nicht Busses wachem Auge. "Die sollen sich richtig gebrandmarkt fühlen durch unseren Preis." Die Kopisten werden mit der Übersendung einer Urkunde für ihr Produkt-Plagiat bestraft. Da kam es vor, dass sich eine taiwanesische Firma ihr Dokument stolz ins Foyer hängte, weil man wohl Papiere mit deutscher Aufschrift grundsätzlich für Ruhmesblätter hielt und die Sprache nicht verstand. Motiv für seinen Kreuzzug, so Busse, sei der große volkswirtschaftliche Verlust, den Erfinder und Firmen durch Ideenraub erlitten, angeblich 20 Milliarden Mark (10,23 Millionen Euro) im Jahr in Deutschland. Zudem seien 80 Prozent der kopierten Waren qualitativ minderwertig. 18 Prozent sind seiner Meinung nach gleichwertig, zwei Prozent sogar besser.