pag Prenzlauer-Berg - Professor Rido Busse fuhrt
einen erbitterten Privatkrieg. Der 67-jährige Designer
aus Ulm, der weder vor dem Tragen von Sandalen mit
Socken noch vor dem Zorn asiatischer Konzerne zurückschreckt,
deckt seit 1977 internationale Halunken auf, die
Produkte kopieren und zu Billigpreisen auf den Markt
bringen. Gestern eröffnete er in der Kulturbrauerei
auf 200 Quadratmetern sein "Plagiarius-Museum" (Schönhauser'Allee
37, Mi-So., 14-20 Uhr, Eintritt fünf Mark). Mit
150 Exponaten werden jeweils Original und Kopie
präsentiert. Einmal jährlich verleiht Busses Jury
ihren Schmähpreis "Plagiarius" für besonders dreiste
Nachah-mungen. So setzte es beispielsweise 1985
einen "Plagiarius" für jene Firma, die in Salzgitter
unverfroren einen genoppten Montageflansch kopiert
hatte.
Auch tückische Kopien von Walkmans, Kaffeekannen
und Nikolaustag-Socken entgingen nicht Busses wachem
Auge. "Die sollen sich richtig gebrandmarkt fühlen
durch unseren Preis." Die Kopisten werden mit der
Übersendung einer Urkunde für ihr Produkt-Plagiat
bestraft. Da kam es vor, dass sich eine taiwanesische
Firma ihr Dokument stolz ins Foyer hängte, weil
man wohl Papiere mit deutscher Aufschrift grundsätzlich
für Ruhmesblätter hielt und die Sprache nicht verstand.
Motiv für seinen Kreuzzug, so Busse, sei der große
volkswirtschaftliche Verlust, den Erfinder und Firmen
durch Ideenraub erlitten, angeblich 20 Milliarden
Mark (10,23 Millionen Euro) im Jahr in Deutschland.
Zudem seien 80 Prozent der kopierten Waren qualitativ
minderwertig. 18 Prozent sind seiner Meinung nach
gleichwertig, zwei Prozent sogar besser.