| Rede
von Herrn Christoph Kannengießer anlässlich
der Plagiarius-Verleihung am 13.2.2009 um 11:30
Uhr auf der „Ambiente“ in Frankfurt
Sehr geehrter Herr Prof. Busse, meine Damen und
Herren,
Nach diesen interessanten Ausführungen von
Herrn Schily bleibt ja kaum noch etwas zum Thema
Markenschutz zu sagen. Danke also, lieber Prof.
Busse, dass Sie uns so engagiert die Blaupause
des Innenministers a. D. vorgetragen haben.
Eines hat Otto Schily – ebenfalls dankenswerterweise
– ausgelassen, nämlich Forderungen
und Vorschläge zu formulieren, wie der Plage
mit den Plagiaten beizukommen ist. Ich will dazu
aus der Perspektive des Markenverbandes sagen:
- Wir brauchen sichtbarere und härtere Strafen.
- Wir brauchen mehr Aufklärung der Konsumenten.
- Wir brauchen mehr Koordination in den Bekämpfungsaktivitäten
auf nationaler, europäischer und internationaler
Ebene.
Dass ich das hier und jetzt sage, in aller notwendigen
Deutlichkeit und an diesem Ort, meine Damen und
Herren, ist ja kein Zufall.
Ausgerechnet der Designer der legendären
Soehnle Waage Prof. Rido Busse entdeckte mitten
im Messebetrieb der Frankfurter Ambiente ein Plagiat
seines Markenproduktes. Eine freche Fälschung,
genau genommen ein Fall von Produktpiraterie.
Markenpiraterie –
die vorgenommene Kopie auch noch des Firmensiegels
– blieb Soehnle in diesem, schon damals
nicht ganz einmaligen, aber doch immerhin besonders
dreisten Fall, immerhin noch erspart.
Längst ist beides keine Ausnahme mehr.
Man könnte mit bitterem Sarkasmus sagen,
beides ist gerade auf den globalisierten Märkten
gang und gäbe. Man kann schon fast dazu tendieren,
zu befürchten, dass heute die Plagiate der
Standard sind. Der Resignation dieser Feststellung
wollen und dürfen wir uns jedoch nicht hingeben.
Doch eines ist wahr: Der Markt der Marken- und
Produktpiraterie – also der Plagiate –
ist ein eigener Weltmarkt geworden. Mit einem
geschätzten Gesamtvolumen von 600 Milliarden
Dollar jährlich.
Der Rechteinhaber der bezeichneten Waage, Herr
Prof. Busse, hat nicht einfach so hingenommen,
was mit seiner Urheberschaft geschah.
Die heutige Verleihung des 33. Plagiarus ist umso
mehr ein eigenes Original geworden. Und zwar ein
umso wertvolleres. Dazu – lieber Herr Busse
– herzlichen Dank und Anerkennung!
1977 konnte man jedoch noch nicht erahnen, von
welchen Dimensionen wir 32 Jahre später betroffen
sind. Was ist seither geschehen? - müssen
wir uns fragen. Während die Zollverwaltung
in den Jahren 1988 bis 1994 in circa 1.000 Fällen
beschlagnahmte, wurden alleine in den Jahren 2005
bis 2007 24.133 Aufgriffe verzeichnet.
Tendenz steigend.
Meine Damen und Herren,
Marke, Konsumenten und unsere Wirtschaftsordnung
brauchen gleichermaßen effektiven Schutz
vor gefälschten Produkten. Die Unternehmen
und ihre Marken brauchen Rechtssicherheit! Die
Markenartikelindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftszweig.
So haben die öffentlichen Haushalte 2007
durch die Markenartikelindustrie etwa 47 Mrd.
Euro eingenommen, eine Milliarde mehr als im Vorjahr.
Jeweils rund 13 Mrd. Euro entfallen auf Steuern
und Abgaben der Unternehmen sowie der Beschäftigten.
21 Mrd. Euro auf die Mehrwertsteuer und andere
Verbrauchsteuern.
In der Summe entspricht das pi mal Daumen dem
Volumen des Konjunkturpaketes, das der Bundestag
heute beschlossen hat. Der Vergleich aber hinkt:
Wir Markenartikler geben nicht Geld anderer Leute
und künftiger Generationen aus, sondern schaffen
multidimensionalen Mehrwert und Wertschöpfung.
Und diese bringen wir in diesen Staat und die
Volkswirtschaft ein. Wir hinken außerdem
nicht den Fehlentwicklungen der Vergangenheit
hinterher, sondern schaffen mit unseren Investitionen
in Innovationen die Zukunft.
Daraus allein leitet sich schon ein Anspruch ab,
dass diese Werte vor krimineller Ausbeutung best
möglich geschützt werden.
Deshalb fordern wir einen Rechtsrahmen, der bei
der Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie
auch wirklich den derzeitigen Anforderungen entspricht!
Und diese Sanktionen müssen drastischer ausfallen
als bisher, denn bei den modernen Piraten unseres
Jahrhunderts handelt es sich bereits um mafiöse
Triaden und organisierte Verbrecherbanden. Viele
wissen gar nicht, dass der Handel mit gefälschten
Markenartikeln weltweit zur Geldquelle des organisierten
Verbrechens geworden ist. Von Interpol wissen
wir, dass al-Quaida in Handbüchern den Handel
mit Piraterieprodukten ausdrücklich empfiehlt.
Die Strukturen der organisierten Kriminalität
in diesem Sektor gleichen längst denen des
Drogenhandels. Missachtung von Arbeits- und
Umweltvorschriften sowie Kinderarbeit sind an
der Tagesordnung. Die dabei begangenen Verbrechen
reichen von Steuerdelikten bis hin zu Mord.
Umso mehr wundert es doch, dass die Justiz gegen
die Täter Milde walten lässt: 2007 wurden
gegen 13.457 Tatverdächtige in 9.164 Verfahren
sage und schreibe NULL
Freiheitsstrafen ohne Bewährung ausgesprochen.
Es sind also nicht Unwissende, die Pirateriedelikte
als Kavaliersdelikte behandeln, sondern unsere
Gerichte auf der Basis geltenden Rechts. Wen wundert
es da, wenn viele Konsumenten sich zwar darüber
bewusst 4 sind, Unrecht zu tun, wenn sie Fälschungen
kaufen, es des schnellen Schnäppchens wegen
dann aber dennoch tun?
Neben der Politik sind aber gleichermaßen
Unternehmen und Handel und auch die Konsumenten
im Kampf gegen Produktpiraterie gefragt.
Der Schaden für unsere Mitglieder geht über
die Umsatzverluste und die damit direkt verbundene
Vernichtung einheimischer Arbeitsplätze weit
hinaus: Die Marke wird in ihrem Kern getroffen.
Die „Piraten des 21. Jahrhunderts“
´erwirtschafteten´ dabei jene geschätzten
600 Mrd. Dollar jährlich. In Deutschland
sind 78% der Hersteller von Markenoder Produktpiraterie
betroffen. Die Risiken, die durch mindere Qualität
entstehen, gefährden die Gesundheit, die
Umwelt und das Sozialwesen und schließlich
das Image des Originals:
Umso mehr sind wir Markenartikelhersteller im
Markenverband aufgefordert, etwas zu tun. Zum
Schutze aller!
„Besser Leben ab 40“ hieß es
in einer STERN-Serie. (Nr. 37/2008) unter den
nützlichen Tipps mit hoher Werbewirkung fand
sich der Einsatz einer der kleinen blauen Pillen,
die unser Mitglied Pfizer mit hohem Aufwand entwickelt
hat und in höchster Qualität und Sicherheit
herstellt. Das Versprechen, dieser Marke ist ein
Besonderes.
Aber was wird daraus, wenn schon längst lebensgefährliche
Fälschungen mehr als nur Spaß und Spiel
verderben, sondern auch immer wieder Tote gefordert
haben? Im STERN kommt dieses Desaster nicht vor.
Fortan muss journalistische Aufdeckungen und Themensensibilität
befördert werden. Und in dieser Runde darf
ich auch einen Appell an alle Unternehmen hinzufügen,
insgesamt mehr in den Schutz und die Kommunikation
zu investieren! Sprechen Sie mit darüber,
teilen Sie Erfahrungen mit anderen und mit unseren
Experten, um gemeinsam Wege zu finden, dieser
Herausforderung gerecht zu werden.
Eine besondere Verantwortung trifft e-commerce-Plattformen.
Ob Medikamente, Autoersatzteile oder Computersoftware,
trotz Preisdrucks und lohnender Spannen sind Sie
mit verantwortlich, für Qualität, Gesundheit
und Rechtskonformität. Das Netz darf kein
Basar für derartig unethischen Konsum werden.
Den Plagiaten darf keineswegs ein Forum geboten
werden!
Außer in der Arena des Plagiarius, in der
es gilt, die Dinge beim Namen zu nennen und die
dreistesten Plagiatoren am Nasenring durch die
Manege zu führen. Den Begriff des „unethischem
Konsums“ sollten wir mit Bestimmtheit anwenden.
Offensichtlich besteht der Bedarf, dafür
zu sensibilisieren. Wir müssen festhalten:
60% der Käufer von Plagiaten, tun dieses
bewusst.
Seit dem Vorfall 1977 hier auf der Frankfurter
Messe hat sich viel getan. Heute bestellt der
Konsument online. Weltweite Bestellungen von Fälschungen
über das Internet bilden nicht mehr die Ausnahme,
sondern die gängige Regel. Der Handel mit
Plagiaten ist verboten, der Kauf zur Eigennutzung
nicht.
Bekannt ist: An jedem Gramm Kokain klebt Blut.
Aber wenn wir den Produkt- und Markenpiraten wirkungsvoll
den Krieg erklären wollen, müssen wir
auch deutlich machen: In jedem Plagiat steckt
das pure Elend. Dafür steht die Fälschung!
Die Marke steht für das Gegenteil!
Hier nun gilt die große Aufgabe, in Allianz
aller Partner aktiv zu werden, denn: Nur die Marke
steht für Verbraucherschutz!
Bewusste Kaufentscheidungen von Plagiaten, aber
auch solche durch Unwissenheit und auch mit Unrechtsbewusstsein,
sollten korrigiert werden. Mitverantwortung und
Schutz sind die richtigen Schlagworte in der Verbraucherpolitik.
Hier muss der Verbraucher geschützt werden!
Nicht mit Werbeverboten für Markenartikel
oder gar generischen Verpackungen voller Warnhinweise
für legal hergestellte Produkte. Zeitgemäßer
Verbraucherschutz muss die Marke zum Partner machen
und sie vor verbrecherischen Kopisten schützen.
Dann können wir als starke Partner unsere
Kunden vor Unheil bewahren. Gerade den Produkten,
die
unmittelbar zu Risiken und Schäden an Leib
und Leben führen können, muss hier aller
oberste Priorität eingeräumt werden.
Weniger „Geiz ist geil“. Etwas mehr
Besinnung!
Zuweilen gilt es, den Kern der Markengedanken
in Erinnerung zu bringen. Sind unsere Werbeetats
denn wirklich immer gut angelegt, wenn wir uns
allzu häufig nur auf das Image beziehen?
Haben wir nicht mehr zu bieten? Nennen Sie es
Retro… ich nenne es Renaissance.
Werbung als das Sprachrohr der Information zum
Konsumenten. So können Marken ihre gute Nachricht
platzieren: Denn
- Marken stehen per se für Qualität,
- Marken stehen für Vertrauen,
- Marken stehen für Verantwortung.
Gestern. Heute. Und Morgen.
Es wird immer bedeutungsvoller, in der Kommunikation
mit dem Kunden, gezielt auch die sicherheitsrelevanten
und ethischen Aspekte zu betonen.
Der moderne Kunde will es wissen! Er kommt uns
mit seinem Interesse an Ursprung, Qualität
und Nachhaltigkeit ja entgegen. Es macht doch
mehr als nur Hoffnung, wenn von der wachsenden
Gruppe des gesundheits- und verantwortungsbewussten
Konsumenten die Rede ist. Es sind der Anhänger
des so genannten LOHAS – des Lifestyle Of
Health And Sustainability, die unsere Ideale teilen.
Die Ideale der Marke, die Ideale der Markenhersteller
und damit die Ideale der Mitglieder des Markenverbandes.
Als branchenübergreifender Wirtschaftsverband
mit knapp 400 Mitgliedern und deren gut 1000 Marken
sind wir IHR kompetenter Ansprechpartner in markenrelevanten
Fragen und wirtschafts- und rechtspolitischen
Themen rund um die Marke. Wir stehen für
die Marke ein, wo es drauf ankommt.
Wir sind der Original-Markenverband.
Es ist mir nun eine besondere Ehre, aber nicht
ungeteilte Freude, die nachfolgenden 10 Preisträger
in den gnadenlosen Spot der Öffentlichkeit
zu bringen.
… (verlesen der „Preisträger“) |
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