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INNOVATION VS. IMITATION -
PLAGIARIUS-VERLEIHUNG 2008

 

Der „Plagiarius“ wird am 8. Februar 2008 auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ bereits zum 32. Mal verliehen. Mit dem gefürchteten Negativpreis werden jährlich Hersteller und Händler von dreisten Nachahmungen ausgezeichnet und im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Trophäe ist der schwarze Zwerg mit der goldenen Nase – als Symbol für die enormen Gewinne, die sich die Abkupferer sprichwörtlich auf Kosten Anderer verdienen. Ziel der Aktion Plagiarius ist es, Hersteller und Händler, aber auch Politiker, den Gesetzgeber und die Konsumenten in Form von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Beratung sowie weltweiten Ausstellungen und Vorträgen praxisnah über Ausmaß, Schäden und Gefahren von Plagiaten und Fälschungen aufzuklären.

Prof. Rido Busse, der den Plagiarius 1977 als betroffener Designer ins Leben rief, erklärt die Intention des Preises wie folgt: „Die Verleihung ist natürlich nicht gleichzusetzen mit einem gerichtlichen Beschluss - der Plagiarius kann und will nicht Recht sprechen, sondern die Öffentlichkeit auf Unrecht aufmerksam machen.“ Es geht der Aktion Plagiarius auch nicht darum, so genannte Me-too-Produkte zu verurteilen. Diese folgen einem aktuellen Trend, differenzieren sich jedoch ausreichend vom Original, das als Erstes am Markt war, und sorgen so für einen lebendigen Wettbewerb. Im Fokus stehen vielmehr plumpe 1:1 Kopien innovativer Produkte, die vom Nachahmer als eigene kreative Leistung verkauft werden.

Das Plagiat – oft mehr Schein als Sein
Skrupellos übernehmen die Plagiatoren Design und technische Lösungen eines erfolgreichen Produktes, ohne es individuell abzuwandeln oder weiter zu entwickeln. Je nach Komplexität des Produktes überschwemmen die teils minderwertigen oder auch gefährlichen Kopien den Markt bereits wenige Tage, Wochen oder Monate nach Erstveröffentlichung des Originals. Fairer Wettbewerb sieht anders aus. Denn der Originalhersteller hat ein Vielfaches an Zeit und Know-how investiert, um ein innovatives und hochwertiges Produkt zu entwickeln. Er ist in Vorleistung gegangen und muss nun - um Arbeitsplätze und weitere Innovationen zu sichern - die getätigten Investitionen durch einen entsprechenden Markterfolg wieder erwirtschaften. Als verantwortungsbewusster Produzent legt er viel Wert auf Sicherheit und hält sein mit der Marke kommuniziertes Qualitätsversprechen ein. Regelmäßige Kontrollen und Gewährleistung sind für ihn selbstverständlich. Der Plagiator hingegen ist auf schnellen Profit aus. Die verwendeten Materialien und die Verarbeitung beim Plagiat sind häufig minderwertig, das zeigen auch einige der aktuellen Preisträger-Produkte sehr deutlich. Kostenintensive Sicherheitskontrollen könnten den Gewinn des Nachahmers schmälern und stehen so in Diskrepanz zu seinen Zielen. Garantie- und Serviceleistungen sind im Preis, der zwischen 10 und 90 % des Originalpreises schwankt, ebenfalls nicht inbegriffen.

Explosionsartiges Wachstum – Zahlen und Fakten
Auch wenn die Zahlen, die im Zusammenhang mit Produkt- und Markenpiraterie veröffentlicht werden, nur Schätzungen sein können und je nach Quelle, auf die man sich bezieht, abweichen. Unbestritten ist, dass Plagiate, Fälschungen und Raubkopien jährlich weltweit einen volkswirtschaftlicher Schaden anrichten, der mehrere Hundert Milliarden (!) Euro beträgt und dass mehrere hunderttausend Arbeitsplätze vernichtet werden. Über den Status „Kavaliersdelikt“ ist man bei Weitem hinaus. Dies bestätigen auch die jährlich von der EU-Kommission veröffentlichten Zollstatistiken. Danach wurden 2006 an den EU-Außengrenzen vom Zoll mehr als 250 Millionen gefälschte Artikel beschlagnahmt (Vergleich 2005: 75 Millionen). Allein der deutsche Zoll beschlagnahmte 2006 gefälschte Waren im Wert von 1,2 Milliarden (!) Euro – damit hat sich der Wert gegenüber 2005 fast verfünffacht.

Für das rasante Wachstum des Problems sind u.a. Globalisierung, modernste Technik und anonyme Vertriebskanäle wie das Internet mitverantwortlich. Auch sogenannte Freizonen entpuppen sich als blühende Umschlagplätze für nachgemachte Waren. Längst hat sich hier eine hoch professionelle Fälscher-Industrie mit weltweitem Netzwerk entwickelt.

Verantwortung des Handels
Trotz steigendem Preisdruck, verlockender Angebote aus Niedriglohnländern und immer kürzerer Produktlebenszyklen (getreu dem Motto: Jede Woche eine neue Welt) muss der Handel seinen Pflichten nachkommen. So müssen die von ihm importierten Produkte technisch einwandfrei und sicher sein und in Deutschland beispielsweise u.a. den Anforderungen aus dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz entsprechen. Der Handel haftet gegenüber seinen Kunden und muss im Zweifelsfall Verantwortung für gefährliche Produkte übernehmen. Ebenso muss er darauf achten, dass die von ihm angebotenen Waren, gleich welcher Herkunft, keine Rechte Dritter (Form oder Technik) verletzen. Mit einer Mischung aus Unwissenheit, Überforderung und Kalkül trägt der Handel leider zunehmend dazu bei, dass auch in westlichen Regalen immer mehr Plagiate angeboten werden. Südostasien, insbesondere China ist zwar aufgrund günstiger Lohnkosten nachweislich die Nummer 1, was die Herstellung von Plagiaten und Fälschungen anbelangt. Ebenso bewiesen ist aber auch, dass Händler aus aller Welt sie einkaufen oder sogar in Kenntnis des Originals bewusst in Auftrag geben. Die Profitspannen westlicher Händler sind dabei meist deutlich höher als die der chinesischen Hersteller.

Die Konsumenten – schutzbedürftig und mitverantwortlich
Verbraucher müssen vor mangelhaften Produkten, die sich teils im wahrsten Sinne des Wortes als brandgefährlich entpuppen, geschützt werden. Mit ihren täglichen Kaufentscheidungen haben die Konsumenten aber auch Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg eines Plagiats. Das unbeabsichtigte Kaufen eines Plagiats kann man niemandem vorwerfen. Den vorsätzlichen Kauf von Plagiaten und gefälschten Markenartikeln hingegen schon. In Bezug auf Produkt- und Markenpiraterie ist seitens der Verbraucher leider häufig ein mangelndes Unrechtsbewusstsein und Gleichgültigkeit festzustellen. Ursachen hierfür könnten eine stark verbreitete Schnäppchenjäger-Mentalität sein, aber auch Unkenntnis in Bezug auf den zeitlichen, inhaltlichen und finanziellen Aufwand, der für die Entwicklung eines neuartigen Qualitätsprodukts notwendig ist.

Praxisnahe Sensibilisierung im Museum Plagiarius
Am 1. April 2007 wurde das Museum Plagiarius in Solingen eröffnet. Die kleine, aber sehr außergewöhnliche Ausstellung präsentiert die Plagiarius-Preisträger von 1977 bis heute. Insgesamt werden mehr als 250 Originale und Plagiate der unterschiedlichsten Branchen im direkten Vergleich gezeigt. Mit ca. 12.000 Besuchern innerhalb der ersten 10 Monate Laufzeit - Kinder unter 14 Jahre nicht mitgezählt - zeigt sich das Museum mehr als zufrieden. Und auch die zahlreichen internationalen Veröffentlichungen (u.a. New York Time, Shanghai Morning Post) zeugen vom globalen Interesse am Thema, welches sich auch in der breit gefächerten Besucherstruktur widerspiegelt: Von Politikern, Unternehmern, Fachverbänden /-instituten und Behörden über Privatvereinigungen und Touristen bis hin zu Schulgruppen und Studenten. Bei einer Vielzahl der Besucher führt die praxisnahe Aufklärung in Form von Führungen durch die Ausstellung zu einer veränderten Einstellung dem Thema gegenüber.

Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2008:

Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus Vertretern der unterschiedlichsten Bereiche (Design, Gewerblicher Rechtsschutz, Wirtschaft, Medien etc.). Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2008 setzte sich wie folgt zusammen:

Prinz Asfa-Wossen Asserate
Unternehmensberater, Publizist, Autor, Frankfurt

Andrea D’Alessandro
Betriebsberaterin Messen / Ausstellungen der Handwerkskammer Chemnitz

Juliane Grützner
Redakteurin design report, Konradin Medien GmbH, Leinfelden-Echterdingen

Dieter Junghans
Geschäftsführer Pro Idee GmbH & Co. KG, Aachen

Dr. Herbert E. Meister
Senior Legal Counsellor Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken und Modelle), Alicante, Spanien

Peter Reisenthel
Inhaber Reisenthel Accessoires, Gilching

Roland Stuhr
Referent Wirtschaftsrecht, Handel, Wettbewerb, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Berlin

Juristische Beratung:

Dr. Aliki Busse

Rechtsanwältin, Busse & Partner – Rechtsanwälte, München


Die Preisträger des Plagiarius-Wettbewerbs 2008:

Die Jury traf sich am 19. Januar 2008 und vergab drei Preise, acht gleichrangige Auszeichnungen und zwei Sonderpreise aus insgesamt 55 Einsendungen:

1. Preis
Salz- und Pfefferset „Two-in-One“
Original: WMF AG, Geislingen/Steige
Plagiat: Shantou Lian Plastic Products Co. Ltd., Guangdong, V.R. China

2. Preis
V3-Gemüsehobel „Trendline“
Original: Börner GmbH Kunststoff- und Metallwarenfabrik, Niederkail
Plagiat: Vertrieb: Mesa Products B.V., AG Doetinchem, Niederlande

3. Preis
Druckausdehnungsgefäß für Heizungsanlagen „PND“
(mit Butylblase und fester Gasfüllung)
Original: Pneumatex AG, Füllinsdorf, Schweiz
Plagiat: Heinrich Winkelmann GmbH & Co. KG, Ahlen

Acht gleichrangige „Auszeichnungen“ wurden vergeben an:

Waschtisch-Dreiloch-Armatur „MEM“
Original: A.F. Dornbracht GmbH & Co. KG, Iserlohn
Plagiat: Vertrieb: Wenzhou Foreign Trade Industrial Product Co., Ltd.,
Zhejiang, V.R. China
Vertrieb: Selectronica GmbH, Frankfurt /Main

Flechtarmreifen (2- und 3-reihig)
Originale: Gebrüder Niessing GmbH & Co. KG, Vreden
Plagiate: Horst Stichnoth GmbH & Co KG, Hannover

Waschtisch-Einhand-Armatur „Hansamurano“
Original: HANSA Metallwerke AG, Stuttgart
Plagiat: Shenhongda Sanitary Fittings Co., Ltd., Zhejiang, V.R. China
Vertrieb: ALGU-tec Bäder GmbH, Steffin

Resektoskop für die Urologie (Arbeitselement)
Original: KARL STORZ GmbH & Co. KG, Tuttlingen
Plagiat: Phoebus Medizintechnik GmbH, Tuttlingen (Gesellschaft aufgelöst)

Raumteiler „Fusion“
Original: Koziol>> ideas for friends GmbH, Erbach
Plagiat: Vertrieb: Art Expo Laden GmbH, Frankfurt

Bürostuhl „G02“
Original: SITAG AG, Sennwald, Schweiz
Plagiat: Bosen Office Furniture Factory, Guangdong, V.R. China

STAEDTLER Schreibgeräte-Sortiment
Originale: STAEDTLER Mars GmbH & Co. KG, Nürnberg
Plagiate: Zhaoqing STA Stationery Co., Ltd., Guangdong, V.R. China

Eierköpfer „Clack“
Original: Take2 Designagentur GmbH & Co. KG, Rosenheim
Plagiat: Vertrieb: Decoration line, Rodovre, Dänemark

Folgende zwei "Sonderpreise" wurden verliehen:

Sonderpreis für eine Fälschung

FORTIS B-42 Official Cosmonauts Chronograph
Original: FORTIS Watch Ltd., Grenchen, Schweiz
Fälschung: Hersteller unbekannt

Sonderpreis für einen Serientäter (Technik-Klau)
Bruder-Spielfahrzeugserie:
- Fendt 209 S Traktor
- Gelenkradlader FR 130
- Liebherr Schaufelbagger
- Caterpillar Kompaktlader
Originale: BRUDER Spielwaren GmbH + Co. KG, Fürth
Plagiate: Jusweet Candytoy China Ltd., Guangdong, V.R. China

Erstmals seit Bestehen des Plagiarius (1977) hat sich die Aktion Plagiarius e.V. entschlossen, nicht nur Hersteller und Händler von Plagiaten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, sondern auch Personen auszuzeichnen, die sich im Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie durch besonderes Engagement verdient gemacht haben:

Die „Ehrennadel für Plagiatsbekämpfung“
wird vergeben an:

Zollbetriebsinspektorin Silke Langebartels,
Zollamt Frankfurt a.M. – Osthafen, Arbeitsgebiet Messe

Mit außerordentlich viel Elan und Engagement geht Frau Langebartels seit mehr als 10 Jahren auf fast jeder Frankfurter Messe erfolgreich gegen Fälscher und Plagiatoren vor!


Die Verleihung des „Plagiarius 2008“ findet statt während der

Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“
Congress Center, Messe Frankfurt
Raum „Illusion 1-3“
am Freitag, 08. Februar 2008, 11:30 Uhr.

Die Laudatio auf die „Preisträger“ hält Dr. Guido Westerwelle, Vorsitzender der FDP Bundestagsfraktion und Bundesvorsitzender der FDP.

Im Anschluss an die Preisverleihung stellt Prof. Busse das von der Aktion Plagiarius herausgegebene Buch „Kreuzschwinger®“ vor. Auch der von Prof. Till Behrens entwickelte Design-Klassiker „Kreuzschwinger®“ wurde mannigfach plagiiert. Das Buch wird ab März 2008 im Museum Plagiarius in Solingen erhältlich sein.

Die Plagiarius-Preisträger 2007 und 2008 werden im Rahmen der Sonderschau "Plagiarius" vom 08. - 12. Februar 2008 im Foyer 4.1 ausgestellt.

Ab 15. Februar 2008 werden die aktuellen Preisträger ergänzend zur bisherigen Sammlung im Museum Plagiarius in Solingen präsentiert. Öffnungszeiten: Di-So 10-17 Uhr)