1977, d.h. vor genau 30 Jahren,
rief der Designer Prof. Rido Busse den Negativpreis
„Plagiarius“ ins Leben und hat damit
Pionierarbeit in punkto Information, Aufklärung
und Sensibilisierung zum Thema Produkt- und Markenpiraterie
geleistet. Damals selbst von Plagiaten betroffen,
beschloss er, die skrupellosen Machenschaften
von Produktpiraten, die mangels eigener Kreativität
und vor allem aus Profitgier innovative Ideen
und technisches Know-how Anderer 1:1 übernehmen
und als eigene Leistung ausgeben, ins öffentliche
Bewusstsein zu rücken. Als Trophäe wählte
Busse einen Gartenzwerg, den er schwarz anmalte
und dem er eine goldene Nase aufsetzte - als Symbol
für die immensen Gewinne, die sich die Nachahmer
sprichwörtlich auf Kosten Anderer verdienen.
Ziel war und ist, in Form von Pressearbeit und
Beratung sowie weltweiten Ausstellungen und Vorträgen
sowohl Hersteller und Händler, aber auch
Politiker, den Gesetzgeber und die Konsumenten
über Ausmaß, Schäden und Gefahren
von Plagiaten und Fälschungen aufzuklären
und zum Umdenken und Handeln anzuregen.
Produkt- und Markenpiraterie stellt zweifelsohne
eine der gravierendsten Formen von Wirtschaftskriminalität
im 21. Jahrhundert dar. Forciert wird die explosionsartige
Ausbreitung des Problems durch Globalisierung
und technischen Fortschritt. Nicht nur in Asien
und in der Dritten Welt werden Teilnehmer entlang
der Wertschöpfungskette bis hin zum Endverbraucher
mit teils minderwertigen Plagiaten und Fälschungen
konfrontiert. Auch in westlichen Ländern
führt der stetig zunehmende Preisdruck dazu,
dass ethische Bedenken und Fair Play schon mal
über Bord geworfen werden. Nachweislich gelangen
immer mehr nachgeahmte Waren auch in den europäischen
Markt – teilweise wurden die Kopien sogar
von der heimischen Konkurrenz bewusst in Auftrag
gegeben.
Fakt ist, Produktpiraten untergraben den legalen
Handel und senken die Innovationsbereitschaft
und –kraft zahlreicher Hersteller. Hersteller,
die durch ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten
immer neue Innovationen hervorbringen und somit
Fortschritt, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze
sichern. Aber nicht jede Produktentwicklung ist
erfolgreich – auch so genannte Flops müssen
mitfinanziert werden. Im Gegensatz dazu können
sich die Nachahmer auf das Abkupfern erfolgreicher
Produkte, für die bereits Nachfrage besteht,
fokussieren. Neben den Investitionen in Forschung
und Entwicklung - dem größten Kostenpunkt
bei der Entwicklung neuer Produkte - sparen die
Produktpiraten auch noch die Kosten fürs
Marketing.
Ein rücksichtsloses Verhalten, durch das
die Hersteller und Händler der Originalprodukte
immense, teils existenzbedrohende Schäden
erleiden: Von Umsatzrückgängen über
den Verlust von Marktanteilen und der Zerstörung
der Glaubwürdigkeit der Marke bis hin zu
ungerechtfertigten Produkthaftungsklagen. Ganz
abgesehen von den Zusatz-Investitionen zur Bekämpfung
des Problems. Können die getätigten
Investitionen nicht wieder erwirtschaftet werden,
sind zukünftige Produktentwicklungen und
somit Jobs gefährdet.
Die Mehrheit der Bevölkerung assoziiert beim
Thema Produkt- und Markenpiraterie unweigerlich
gefälschte Luxusartikel. Entgegen dieser
allgemeinen Einschätzung sind aber Produkte
aller Branchen von dem Problem betroffen. Praktische
Haushaltartikel und Accessoires ebenso wie Kosmetik
und Medikamente, Kinderspielzeug, Leuchten, Möbel,
Lebensmittel, Werkzeuge, Ersatzteile, bis hin
zu hoch komplexen mechanischen und Elektro-/ elektronischen
Geräten und Maschinen. Verantwortungsbewusstsein
ist für die Nachahmer ein Fremdwort. Minderwertige
Produktqualität und nicht erfüllte Sicherheitsstandards
können dabei Gesundheit und sogar Leben der
Konsumenten gefährden.
Die Europäische Kommission schätzt,
dass bereits 7-10% des Welthandels Fälschungen,
Plagiate und Raubkopien sind und dass global ein
volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von
EUR 200-300 Mrd. pro Jahr entsteht und mehrere
hunderttausend Arbeitsplätze vernichtet werden.
Tendenz steigend! Mitnichten handelt es sich um
ein Kavaliersdelikt. Dies untermauert auch die
von der EU-Kommission veröffentlichte Zollstatistik.
Danach wurden 2005 an den EU-Außengrenzen
vom Zoll mehr als 75 Millionen gefälschte
Artikel beschlagnahmt – und diese Zahlen
bilden nur einen Bruchteil des Problems ab. In
den letzten Jahren haben sich Fälscherbanden
immer professioneller organisiert und verfügen
über global funktionierende Netzwerke und
eigene Vertriebswege - jenseits der direkten,
den Zollbehörden bekannten Routen. So genannte
Freizonen werden oftmals zur Umladung von Waren
genutzt und entwickeln sich zu blühenden
Umschlagplätzen für Piraterieware.
Tatsache ist aber auch, dass Märkte sich
naturgemäß über Angebot und Nachfrage
regeln. Viele Händler und Konsumenten machen
sich anscheinend nicht bewusst, welchen Beitrag
sie mit ihren täglichen Kaufentscheidungen
in Bezug auf das Problem der Produktpiraterie
leisten. Solange westliche Händler Plagiate
einkaufen oder in Auftrag geben und solange Touristen
Busfahrten zu Fälschermärkten buchen
(können) und bedenkenlos kofferweise nachgeahmte
Waren aus dem Urlaub mitbringen, wird auch das
Angebot von Plagiaten und Fälschungen entsprechend
hoch sein.
Das Thema Produkt- und Markenpiraterie ist für
viele nach wie vor sehr abstrakt und die Zahlen
schrecken kaum ab. Ab 1. April 2007 können
im Museum Plagiarius in Solingen mehr als 250
Originale und Plagiate der unterschiedlichsten
Branchen direkt verglichen werden. Die Beispiele,
alles ehemalige Plagiarius-Preisträger, veranschaulichen
sehr praxisnah die Dreistigkeit der Produktpiraten
und regen hoffentlich zum Umdenken an. In Workshops
sollen darüber hinaus Basiswissen und Tipps
für erfolgreiche Schutzrechtstrategien vermittelt
werden.
Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2007:
Die Fachjury wird jedes Jahr neu zusammengestellt
aus Vertretern der Bereiche Design, Gewerblicher
Rechtsschutz, Wirtschaft, Medien etc. Die Jury
des Plagiarius-Wettbewerbs 2007 setzte sich wie
folgt zusammen:
Dipl.-Volkswirt Jens-Heinrich Beckmann
Geschäftsführer IVSH Industrieverband
Schneid- und Haushaltwaren e.V., Solingen
Assessor Rainer Langelüddecke
Geschäftsführer FWI Fachverband Werkzeugindustrie
e.V., Remscheid
Nils Holger Moormann
Geschäftsführer Nils Holger Moormann
GmbH, Aschau im Chiemgau
Ministerialrätin Monika Mundkowski-Bek
Leiterin des Referats Telekommunikation, Medien
und Wissensgesellschaft, Wirtschaftsministerium
Baden-Württemberg, Stuttgart
Gerold Noerenberg
Oberbürgermeister der Stadt Neu-Ulm
Dieter Pesch
Inhaber Einrichtungshaus Pesch GmbH & Co.
KG, Köln
Dipl.-Kfm. Rüdiger Szallies
Geschäftsführer ICON ADDED VALUE GmbH,
Nürnberg
Gabriele Wurst
Präsidentin des Sozialgericht Ulm
Juristische Beratung:
Dr. Aliki Busse
Rechtsanwältin, Busse & Partner –
Rechtsanwälte, München
Die Preisträger des Plagiarius-Wettbewerbs
2007:
Die Jury traf sich am 20. Januar 2007
und vergab drei Preise, acht Auszeichnungen und
drei Sonderpreise aus insgesamt 58 Einsendungen:
1. Preis
Isolierkanne „Sophie“
Original: alfi GmbH, Wertheim
Plagiat: He Shan Jia Hui Vacuum Flask & Vessel
Co., Ltd., Guangzhou, P.R. China
2. Preis
Notizbuch „Moleskine“
Original: Hersteller: Moleskine S.r.l., Mailand,
Italien
Vertrieb (D, AT, CH): Authentics GmbH, Gütersloh
Plagiat: ars nova GmbH Großhandel für
Künstlermaterialien, Witten
3. Preis
Kehrmaschine „TopSweep 55“
Original: Ing. Haaga Kunststofftechnik GmbH, Kirchheim/Teck
Plagiat: Wuyi Zhouyi Mechanical & Electrical
Co., Ltd., Zhejiang, P.R. China
Sechs gleichrangige „Auszeichnungen“
wurden vergeben an:
Sofa Insel „Orbit“
Original: Dedon GmbH, Lüneburg
Plagiat: Antik Heiligenstedten, Heiligenstedten
Windrose-Schmuckkoffer „Titan“ und
„New Age“
Originale: Georg A. Steinmann Lederwarenfabrik
GmbH + Co. KG, Nürnberg
Plagiate: Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG,
Neckarsulm
Resektoskop-Set für die Urologie (Arbeitselement
und Schäfte)
Originale: KARL STORZ GmbH & Co. KG, Tuttlingen
Plagiate: Hersteller:
- Wenkert Medizintechnik Klaus Wenkert, Seitingen
Vertrieb, u.a: - Ackermann Instrumente GmbH, Rietheim
- Asap Endoscopic products GmbH, Freiburg
- Gimmi GmbH, Tuttlingen
- Mahe-Barthelmes Medizintechnik GmbH, Emmingen
- MGB Endoskopische Geräte GmbH, Berlin
- Schölly Fiberoptic GmbH, Denzlingen
- Stema Medizintechnik GmbH, Stockach
Salz- und Pfefferstreuer “Step’n Pep”
Originale: Koziol>> ideas for friends GmbH,
Erbach
Plagiate: DUE ESSE s.r.l., Martina Franca, Italien
Multifunktionswerkzeug “Leatherman®Wave®
Original: Leatherman Tool Group, Inc., Oregon,
U.S.A.
Plagiat: REDA Deutschland GmbH, Iserlohn / REDA
a.s., Brn-Slatina, Tschechien
Brillen der OWP-Kollektion, Modelle Nr. 1620,
Nr. 1621 und Nr. 2298
Originale: OWP Brillen GmbH, Passau
Plagiate: Walter Binde GmbH & Co. KG, Minden
Folgende drei "Sonderpreise"
wurden verliehen:
Sonderpreis für eine Fälschung
Tankstellen-Zapfventile „ZVA Slimline“
und „ZVA 200 GR“
Originale: ELAFLEX Tankstellentechnik GmbH &
Co., Hamburg
Fälschungen: Zhejiang Baotai Machine Factory
Co., Ltd., Zhejiang, P.R. China
Sonderpreis für Wiederholungstäter
Beleuchteter Türgriff, Serie x.door
Originale: Schneider + Fichtel GmbH, Rottenburg
Plagiat: Glaser GmbH & Co. KG, Gross-Umstadt
NEU: Hyänenpreis
Einkaufskorb „CARRYBAG“
Original: Reisenthel Accessoires, Puchheim
Plagiate: 1) Xin Hang Wujin Tools Dongyang Zhejiang
Co., Ltd., Zhejiang, P.R. China
2) Arbor Handels GmbH, Leonding, Österreich
3) Edwards Trade Company B.V., Mljdrecht, Niederlande
4) Berni Irio & Co. S.n.c., Luzzara, Italien
5) Bed Bath & Beyond Inc., New York, U.S.A.
6) KODI – Diskontläden GmbH, Oberhausen
7) TOP Marketing, Taipei, Taiwan
8) Shanghai Light Industrial Products Import &
Export Corp., Ltd., Shanghai. P.R. China
9) Xiamen Helen Industry & Trade Co., Ltd.,
Xiamen, P.R. China
10) Yilmaz Güntekin, Gelsenkirchen
Die Verleihung des „Plagiarius 2007“
findet statt während der
Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“
Congress Center, Messe Frankfurt
Raum „Illusion 1-3“
am Freitag, den 09. Februar 2007, 11:00 Uhr.
Die Laudatio auf die „Preisträger“
hält Bundesjustizministerin Brigitte Zypries.
Die Plagiarius-Preisträger 2006 und 2007
werden im Rahmen der Sonderschau "Plagiarius"
vom 09. - 13. Februar 2007 im Foyer 4.1 präsentiert.
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