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10.02.2006 - PLAGIARIUS-VERLEIHUNG 2006

 
Der „Plagiarius“ feiert Jubiläum: Der Negativpreis, der die Skrupellosigkeit und Ideenarmut von Nachahmern ins öffentliche Bewusstsein rückt, wird auf der Ambiente 2006 zum 30. Mal verliehen.

1977 selbst von Plagiaten betroffen, beschloss der Designer Prof. Rido Busse die Öffentlichkeit auf das zu diesem Zeitpunkt noch wenig beachtete Problem der Produkt- und Marken-piraterie aufmerksam zu machen und schuf den Negativpreis Plagiarius. Als Trophäe wählte Busse einen schwarzen Zwerg, dem er eine goldene Nase aufsetzte - als Symbol für die enormen Gewinne, die sich die Plagiatoren sprichwörtlich auf Kosten Anderer verdienen.

Heute, knapp 30 Jahre später, hat Produkt- und Markenpira-terie ein erschreckendes Ausmaß angenommen, das Unternehmen und Politiker weltweit vor ernsthafte Probleme stellt. Was als laienhafte Kopierversuche in Hinterhof-Werkstätten begann, hat sich zu einer hoch professionellen Industrie mit weltweitem Netzwerk entwickelt, hinter dem laut ICC London (International Chamber of Commerce) sogar die Mafia und das organisierte Verbrechen stecken. Die Gewinn-spannen sind mittlerweile lukrativer als bei Drogenhandel und Schmuggel, die Strafen hingegen lächerlich gering. Wachsendes Know-how seitens der Plagiatoren gepaart mit modernster Technik führt dazu, dass die Qualität der Nachahmungen besser wird und selbst Fachleute nicht immer eindeutig ihre Originale identifizieren und von Plagiaten und Fälschungen abgrenzen können.

Die Europäische Kommission schätzt, dass bereits 7-10% des Welthandels Fälschungen und Plagiate sind und dass dadurch weltweit ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von € 200-300 Mrd. pro Jahr entsteht und mehr als 200.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. Tendenz steigend!

Immer rücksichtsloser kupfern nicht nur Asiaten Ideen erfolgreicher Unternehmen identisch ab und präsentieren sie als eigene Leistung. Wenn hohe Profite winken, werfen auch zunehmend westliche Unternehmen und Händler ethische Bedenken über Bord. Bei den aktuellen Einreichungen zum Plagiarius-Wettbewerb beispielsweise wurden rund zwei Drittel der Plagiate in Europa (davon ca. 50% in Deutschland) hergestellt oder verkauft; nur ca. ein Drittel stammte aus China bzw. Südostasien.
Den Schaden haben die kreativen, ehrlichen Unternehmen. Angefangen von Umsatzrückgängen über den Verlust von Marktanteilen und die Zerstörung der Glaubwürdigkeit der Marke bis hin zu unberechtigten Produkthaftungsklagen. Werden Qualitäts- und Sicherheitsstandards vernachlässigt, so bekommen auch die Konsumenten die negativen Auswirkungen von Fälschungen und Plagiaten zu spüren. Minderwertige Produkte können nachweislich Gesundheit oder sogar Leben gefährden.

Produkt- und Markenpiraterie ist auch in Politik und Wirtschaft zu einem Thema mit Top-Priorität geworden. Die Bundes-regierung will die Rechte von Schutzrechtsinhabern zukünftig weiter stärken. Ziel ist, den weltweiten Handel mit Fälschungen und Plagiaten wirksamer als bisher zu unterbinden und das System der strafrechtlichen Sanktionen europaweit zu verbes-sern und zu vereinheitlichen.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries legte vor kurzem einen Gesetzentwurf vor, der vorsieht, dass Geschädigte in Zukunft auch von Dritten Informationen verlangen können, z. B. von Spediteuren, Paketdiensten oder Internet-Providern. Außerdem können geschädigte Unternehmen Schadensersatz verlangen, und zwar in Höhe der illegalen Gewinne oder der Lizenzgebühren.

Das Problem der Produkt- und Markenpiraterie scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein und dennoch kann durch vorbeugende Maßnahmen und konsequentes, hartes Durch-greifen sehr viel erreicht werden.

Mit gezielter Aufklärung und Beratung sowie regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit hat die Aktion Plagiarius in den letzten Jahrzehnten viel erreicht und sowohl bei Designern und Unternehmern, als auch bei Politikern, dem Gesetzgeber und nicht zuletzt bei den Verbrauchern Bewusstsein für die Problematik geschaffen. Die hohe Medienpräsenz des Plagiarius sowie die zahlreichen Anfragen für Ausstellungen und Vorträge zeigen das große Interesse, aber auch den nach wie vor hohen Informationsbedarf zu diesem Thema. Der international wachsende Bekanntheitsgrad des Plagiarius verstärkt auch die abschreckende Wirkung des Negativpreises auf Nachahmer. Um der öffentlichen Blamage zu entgehen bzw. diese möglichst gering zu halten, einigen sich gerade deutsche und europäische Plagiatoren teilweise noch vor der Jurierung, teilweise unmittelbar nach der Preisverleihung mit dem Originalhersteller. Sie nehmen z.B. die Nachahmungen vom Markt, unterschreiben Unterlassungserklärungen und/oder geben den Hersteller der Waren preis.

Aktuell unterstützt die Aktion Plagiarius die Anfang dieses Jahres gestartete Kampagne „Messe Frankfurt against Copying“, mit der die Messe Frankfurt AG Aussteller und Besucher aller Fachmessen frühzeitig für das Thema Marken- und Designschutz sensibilisieren möchte. Im Foyer der Halle 4.1 informieren Fachexperten vom Zoll, vom Deutschen und Europäischen Markenamt sowie vom APM Aktionskreis Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie und der Aktion Plagiarius an einem eigens für diese Zwecke eingerichteten Informations-Center zum Thema Schutz Geistigen Eigentums.

Für Ende Mai 2006 ist die Eröffnung des „Museum Plagiarius“ in der neu gestalteten Südlichen Innenstadt von Solingen geplant. Neben der Ausstellung, die Originale und Plagiate der unterschiedlichsten Branchen im direkten Vergleich zeigt, werden regelmäßig Veranstaltungen bezüglich der Bekämpfung von Produkt- und Markenpiraterie stattfinden.


Die Jury des Plagiarius 2006:

Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus Vertretern der Bereiche Design, Gewerblicher Rechtsschutz, Wirtschaft, Medien etc. Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2006 setzte sich wie folgt zusammen:

Dr. Dieter Brucklacher
Geschäftsführer Leitz GmbH & Co. KG, Oberkochen und Präsident des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V., Frankfurt

Gunter Czisch
1. Bürgermeister der Stadt Ulm

Karen Dowidat
Geschäftsführerin Gedore-Otto Dowidat, Remscheid

Markus Ferstera
Geschäftsführer Geba Möbelwerke GmbH, Löhne und Vorstandsvorsitzender des Design Zentrum NRW, Essen

Franz Haug
Oberbürgermeister der Stadt Solingen

Hartmut Pilhofer
Director R&D Nokia GmbH (Product Creation Side), Ulm

Vera Rottes
Geschäftsführerin Sanierungsgesellschaft Südliche Innenstadt Solingen GmbH & Co. KG, Solingen

Juristische Beratung:
Dr. Aliki Busse
Rechtsanwältin, Anwaltskanzlei Busse & Partner, München


Die Preisträger des Plagiarius 2006:

Die Jury traf sich am 21. Januar 2006 und vergab drei Preise, sieben Auszeichnungen und zwei Sonderpreise aus insgesamt 58 Einsendungen:

1. Preis
Waschtisch-Armatur "Giorno“
Original: Hersteller: Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG, Iserlohn
Design: Massimo Iosa Ghini, Bologna, Italien
Plagiat: GROEMIX Sp. z o.o., Warschau, Polen

2. Preis
Mokik Bike „MadAss“
Original: SACHS Fahrzeug- und Motorentechnik GmbH, Nürnberg
Plagiat: Hersteller: Eastern Motorcycle Co. Ltd., Nanjing, Jiangsu, PR China
Vertrieb: Panon Sp. z o.o., Warschau, Polen

3. Preis
Stuhl „Vero“
Original: Victoria Design AG, Baar, Schweiz
Plagiat: G-Collection GmbH, Rothenthurm, Schweiz


Sieben gleichrangige „Auszeichnungen“ wurden vergeben an:

Isolierkannen „Juwel“ und „Juwel Tee“
Original: alfi GmbH, Wertheim
Plagiat: Hunan Wujo Light Industry & Chemicals Group Co. Ltd., Lianyuan, Hunan, PR China

Spielfahrzeugmodell „Manitou Teleskoplader MLT 633“
Original: BRUDER Spielwaren GmbH + Co. KG, Fürth
Plagiat: DICKIE-SPIELZEUG GmbH & Co. KG, Fürth

Steinvogel „XL106E“
Original: Gebrüder Lomprich GmbH, Freiberg
Plagiat: J. Tiedemann, Bad Zwischenahn

Motorsäge „MS 380“
Original: ANDREAS STIHL AG & Co. KG, Waiblingen
Plagiat: SWOOL Power Machinery Co. Ltd., Quzhou, Zhejiang, PR China

Taschenlampe „Photonenpumpe V8“
Original: Zweibrüder Optoelectronics GmbH, Solingen
Plagiat: Diomercado, Nürnberg


Folgende "Sonderpreise" wurden verliehen:


Sonderpreis „Anstiftung“
Taschenlampen „MINI MAGLITE 2AA-Cell und 2AAA-Cell“ Originale: Mag Instrument, Inc., Kalifornien, U.S.A.
Plagiate: Auftraggeber: Bitburger Brauerei Th. Simon GmbH, Bitburg
Händler / Importeur: Uniglory GmbH & Co. KG, Mühlheim/Ruhr
Hersteller und Zwischenhändler sind jeweils aus China

Marke „Solingen“ für Solinger Schneidwaren
Markeninhaber: IHK Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid, Wuppertal
Markenverletzer: Die Marke „Solingen“ wird insbesondere in den südostasiatischen Ländern immer wieder benutzt, um Herkunftstäuschungen hervorzurufen. „Solingen“ steht für Tradition und Qualität bei Schneidwaren. Die gezeigten Messer sind nur ein Beispiel von vielen.


Die Verleihung des „Plagiarius 2006“ findet statt während der
Frankfurter „Ambiente“
Congress Centrum, Messe Frankfurt, Raum „Illusion 1-3“
Termin: Freitag, 10. Februar 2006, 13:00 Uhr.

Die Laudatio auf die „Preisträger“ hält Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Vorstandsvorsitzender der FABER-CASTELL AG.

Die Plagiarius-Preisträger 2005 und 2006 werden im Rahmen der Sonderschau "Plagiarius" vom 10. - 14. Februar 2006 im Foyer 4.1 (Foyer der Halle 4, 1. Stock) präsentiert.