| Der „Plagiarius“ feiert
Jubiläum: Der Negativpreis, der die Skrupellosigkeit
und Ideenarmut von Nachahmern ins öffentliche
Bewusstsein rückt, wird auf der Ambiente 2006
zum 30. Mal verliehen.
1977 selbst von Plagiaten betroffen, beschloss
der Designer Prof. Rido Busse die Öffentlichkeit
auf das zu diesem Zeitpunkt noch wenig beachtete
Problem der Produkt- und Marken-piraterie aufmerksam
zu machen und schuf den Negativpreis Plagiarius.
Als Trophäe wählte Busse einen schwarzen
Zwerg, dem er eine goldene Nase aufsetzte - als
Symbol für die enormen Gewinne, die sich
die Plagiatoren sprichwörtlich auf Kosten
Anderer verdienen.
Heute, knapp 30 Jahre später, hat Produkt-
und Markenpira-terie ein erschreckendes Ausmaß
angenommen, das Unternehmen und Politiker weltweit
vor ernsthafte Probleme stellt. Was als laienhafte
Kopierversuche in Hinterhof-Werkstätten begann,
hat sich zu einer hoch professionellen Industrie
mit weltweitem Netzwerk entwickelt, hinter dem
laut ICC London (International Chamber of Commerce)
sogar die Mafia und das organisierte Verbrechen
stecken. Die Gewinn-spannen sind mittlerweile
lukrativer als bei Drogenhandel und Schmuggel,
die Strafen hingegen lächerlich gering. Wachsendes
Know-how seitens der Plagiatoren gepaart mit modernster
Technik führt dazu, dass die Qualität
der Nachahmungen besser wird und selbst Fachleute
nicht immer eindeutig ihre Originale identifizieren
und von Plagiaten und Fälschungen abgrenzen
können.
Die Europäische Kommission schätzt,
dass bereits 7-10% des Welthandels Fälschungen
und Plagiate sind und dass dadurch weltweit ein
volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von
€ 200-300 Mrd. pro Jahr entsteht und mehr
als 200.000 Arbeitsplätze vernichtet werden.
Tendenz steigend!
Immer rücksichtsloser kupfern nicht nur
Asiaten Ideen erfolgreicher Unternehmen identisch
ab und präsentieren sie als eigene Leistung.
Wenn hohe Profite winken, werfen auch zunehmend
westliche Unternehmen und Händler ethische
Bedenken über Bord. Bei den aktuellen Einreichungen
zum Plagiarius-Wettbewerb beispielsweise wurden
rund zwei Drittel der Plagiate in Europa (davon
ca. 50% in Deutschland) hergestellt oder verkauft;
nur ca. ein Drittel stammte aus China bzw. Südostasien.
Den Schaden haben die kreativen, ehrlichen Unternehmen.
Angefangen von Umsatzrückgängen über
den Verlust von Marktanteilen und die Zerstörung
der Glaubwürdigkeit der Marke bis hin zu
unberechtigten Produkthaftungsklagen. Werden Qualitäts-
und Sicherheitsstandards vernachlässigt,
so bekommen auch die Konsumenten die negativen
Auswirkungen von Fälschungen und Plagiaten
zu spüren. Minderwertige Produkte können
nachweislich Gesundheit oder sogar Leben gefährden.
Produkt- und Markenpiraterie ist auch in Politik
und Wirtschaft zu einem Thema mit Top-Priorität
geworden. Die Bundes-regierung will die Rechte
von Schutzrechtsinhabern zukünftig weiter
stärken. Ziel ist, den weltweiten Handel
mit Fälschungen und Plagiaten wirksamer als
bisher zu unterbinden und das System der strafrechtlichen
Sanktionen europaweit zu verbes-sern und zu vereinheitlichen.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries legte
vor kurzem einen Gesetzentwurf vor, der vorsieht,
dass Geschädigte in Zukunft auch von Dritten
Informationen verlangen können, z. B. von
Spediteuren, Paketdiensten oder Internet-Providern.
Außerdem können geschädigte Unternehmen
Schadensersatz verlangen, und zwar in Höhe
der illegalen Gewinne oder der Lizenzgebühren.
Das Problem der Produkt- und Markenpiraterie
scheint ein Kampf gegen Windmühlen zu sein
und dennoch kann durch vorbeugende Maßnahmen
und konsequentes, hartes Durch-greifen sehr viel
erreicht werden.
Mit gezielter Aufklärung und Beratung sowie
regelmäßiger Öffentlichkeitsarbeit
hat die Aktion Plagiarius in den letzten Jahrzehnten
viel erreicht und sowohl bei Designern und Unternehmern,
als auch bei Politikern, dem Gesetzgeber und nicht
zuletzt bei den Verbrauchern Bewusstsein für
die Problematik geschaffen. Die hohe Medienpräsenz
des Plagiarius sowie die zahlreichen Anfragen
für Ausstellungen und Vorträge zeigen
das große Interesse, aber auch den nach
wie vor hohen Informationsbedarf zu diesem Thema.
Der international wachsende Bekanntheitsgrad des
Plagiarius verstärkt auch die abschreckende
Wirkung des Negativpreises auf Nachahmer. Um der
öffentlichen Blamage zu entgehen bzw. diese
möglichst gering zu halten, einigen sich
gerade deutsche und europäische Plagiatoren
teilweise noch vor der Jurierung, teilweise unmittelbar
nach der Preisverleihung mit dem Originalhersteller.
Sie nehmen z.B. die Nachahmungen vom Markt, unterschreiben
Unterlassungserklärungen und/oder geben den
Hersteller der Waren preis.
Aktuell unterstützt die Aktion Plagiarius
die Anfang dieses Jahres gestartete Kampagne „Messe
Frankfurt against Copying“, mit der die
Messe Frankfurt AG Aussteller und Besucher aller
Fachmessen frühzeitig für das Thema
Marken- und Designschutz sensibilisieren möchte.
Im Foyer der Halle 4.1 informieren Fachexperten
vom Zoll, vom Deutschen und Europäischen
Markenamt sowie vom APM Aktionskreis Deutsche
Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie
und der Aktion Plagiarius an einem eigens für
diese Zwecke eingerichteten Informations-Center
zum Thema Schutz Geistigen Eigentums.
Für Ende Mai 2006 ist die Eröffnung
des „Museum Plagiarius“ in der neu
gestalteten Südlichen Innenstadt von Solingen
geplant. Neben der Ausstellung, die Originale
und Plagiate der unterschiedlichsten Branchen
im direkten Vergleich zeigt, werden regelmäßig
Veranstaltungen bezüglich der Bekämpfung
von Produkt- und Markenpiraterie stattfinden.
Die Jury des Plagiarius 2006:
Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt
aus Vertretern der Bereiche Design, Gewerblicher
Rechtsschutz, Wirtschaft, Medien etc. Die Jury
des Plagiarius-Wettbewerbs 2006 setzte sich wie
folgt zusammen:
Dr. Dieter Brucklacher
Geschäftsführer Leitz GmbH & Co.
KG, Oberkochen und Präsident des VDMA Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V., Frankfurt
Gunter Czisch
1. Bürgermeister der Stadt Ulm
Karen Dowidat
Geschäftsführerin Gedore-Otto Dowidat,
Remscheid
Markus Ferstera
Geschäftsführer Geba Möbelwerke
GmbH, Löhne und Vorstandsvorsitzender des
Design Zentrum NRW, Essen
Franz Haug
Oberbürgermeister der Stadt Solingen
Hartmut Pilhofer
Director R&D Nokia GmbH (Product Creation
Side), Ulm
Vera Rottes
Geschäftsführerin Sanierungsgesellschaft
Südliche Innenstadt Solingen GmbH & Co.
KG, Solingen
Juristische Beratung:
Dr. Aliki Busse
Rechtsanwältin, Anwaltskanzlei Busse &
Partner, München
Die Preisträger des Plagiarius 2006:
Die Jury traf sich am 21. Januar 2006 und vergab
drei Preise, sieben Auszeichnungen und zwei Sonderpreise
aus insgesamt 58 Einsendungen:
1. Preis
Waschtisch-Armatur "Giorno“
Original: Hersteller: Aloys F. Dornbracht GmbH
& Co. KG, Iserlohn
Design: Massimo Iosa Ghini, Bologna, Italien
Plagiat: GROEMIX Sp. z o.o., Warschau, Polen
2. Preis
Mokik Bike „MadAss“
Original: SACHS Fahrzeug- und Motorentechnik GmbH,
Nürnberg
Plagiat: Hersteller: Eastern Motorcycle Co. Ltd.,
Nanjing, Jiangsu, PR China
Vertrieb: Panon Sp. z o.o., Warschau, Polen
3. Preis
Stuhl „Vero“
Original: Victoria Design AG, Baar, Schweiz
Plagiat: G-Collection GmbH, Rothenthurm, Schweiz
Sieben gleichrangige „Auszeichnungen“
wurden vergeben an:
Isolierkannen „Juwel“ und „Juwel
Tee“
Original: alfi GmbH, Wertheim
Plagiat: Hunan Wujo Light Industry & Chemicals
Group Co. Ltd., Lianyuan, Hunan, PR China
Spielfahrzeugmodell „Manitou Teleskoplader
MLT 633“
Original: BRUDER Spielwaren GmbH + Co. KG, Fürth
Plagiat: DICKIE-SPIELZEUG GmbH & Co. KG, Fürth
Steinvogel „XL106E“
Original: Gebrüder Lomprich GmbH, Freiberg
Plagiat: J. Tiedemann, Bad Zwischenahn
Motorsäge „MS 380“
Original: ANDREAS STIHL AG & Co. KG, Waiblingen
Plagiat: SWOOL Power Machinery Co. Ltd., Quzhou,
Zhejiang, PR China
Taschenlampe „Photonenpumpe V8“
Original: Zweibrüder Optoelectronics GmbH,
Solingen
Plagiat: Diomercado, Nürnberg
Folgende "Sonderpreise" wurden verliehen:
Sonderpreis „Anstiftung“
Taschenlampen „MINI MAGLITE 2AA-Cell und 2AAA-Cell“
Originale: Mag Instrument, Inc., Kalifornien,
U.S.A.
Plagiate: Auftraggeber: Bitburger Brauerei Th.
Simon GmbH, Bitburg
Händler / Importeur: Uniglory GmbH & Co. KG, Mühlheim/Ruhr
Hersteller und Zwischenhändler sind jeweils aus
China
Marke „Solingen“ für Solinger
Schneidwaren
Markeninhaber: IHK Industrie- und Handelskammer
Wuppertal-Solingen-Remscheid, Wuppertal
Markenverletzer: Die Marke „Solingen“
wird insbesondere in den südostasiatischen
Ländern immer wieder benutzt, um Herkunftstäuschungen
hervorzurufen. „Solingen“ steht für
Tradition und Qualität bei Schneidwaren.
Die gezeigten Messer sind nur ein Beispiel von
vielen.
Die Verleihung des „Plagiarius 2006“
findet statt während der
Frankfurter „Ambiente“
Congress Centrum, Messe Frankfurt, Raum „Illusion
1-3“
Termin: Freitag, 10. Februar 2006, 13:00 Uhr.
Die Laudatio auf die „Preisträger“
hält Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell,
Vorstandsvorsitzender der FABER-CASTELL AG.
Die Plagiarius-Preisträger 2005 und 2006
werden im Rahmen der Sonderschau "Plagiarius"
vom 10. - 14. Februar 2006 im Foyer 4.1 (Foyer
der Halle 4, 1. Stock) präsentiert.
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