11.02.2005 - Rede von Dr. Michel
Friedman anlässlich der Plagiarius-Verleihung
2005 auf der "Ambiente" in Frankfurt
Ich habe mir natürlich jetzt
die Frage gestellt, ob ich ein Plagiator bin, denn
wie Sie eben sagten, sollte eigentlich die Laudatio
heute Roland Koch sprechen, den ich also ersetze,
und spätestens jetzt merke ich, dass nicht
jede Kopie und das Original verwechselbar ist.
Meine Damen und Herren, der Mensch neigt dazu, originell
sein zu wollen. In den seltensten Fällen gelingt
im das, aber einen Anspruch darauf hat der Mensch
original zu sein. Jeder für sich, milliardenfach
und das seit Tausenden und Jahrtausenden, will der
Mensch ein Individuum sein, eine eigene kreative
Schöpfung, ein Individuum, das wiedererkennbar
ist, das Eigenschaften hat, die nicht verwechselbar
sind - mit keinem anderen Individuum auf dieser
Welt.
Das mit dem Original ist also etwas, was wir eigentlich
ganz besonders gern hätten und wären,
und dem einen fällt es leichter, dem anderen
schwerer. Am leichtesten scheint es zu sein, wenn
man sich nicht anstrengen will, beim Nachbarn abzuschauen
oder eben Ideen zu klauen. Ideen zu klauen, wo Menschen
sich angestrengt haben diese zu entwickeln, daran
gearbeitet haben, wo Teams und teilweise Jahre,
Jahrzehnte des Denkens und des Kombinierens nötig
waren, um ein Produkt, eine Idee oder sonstige geistige
Leistungen zu entwickeln, die natürlich, wenn
sie erst mal da sind, für jeden einleuchtend
sind, und wenn sie dann erst mal einen Markt erobern,
auch verführerisch dafür sind, dass man
so tut als wäre man selbst der Urheber gewesen.
Ein Original und etwas sehr Originelles ist mit
Sicherheit geschaffen worden - und das von Ihnen
lieber Professor Busse - nämlich dieser Plagiarius-Preis,
der uns allen bewusst macht, wie verwechselbar und
sensibel wir sind, wenn es um geistiges Eigentum
geht, das sich zwar materialisiert in Produkten,
aber wenn ich von geistigem Eigentum rede, müssen
wir gerade was Kopien und Raubkopien angeht, natürlich
in der modernen Welt in der wir uns befinden, in
der Internetkultur, um so sensibler drauf achten,
wie schnell Raubkopien und auch sonstige Verwahrlosungen
im Diebstahl und im Raub geistigen Eigentums in
der Internetwelt stattfinden.
Es ist nicht nur kein Kavaliersdelikt die Originalität
und die Kreativität eines anderen Menschen
zu stehlen, es ist genauso wenig kein Kavaliersdelikt
Konsument solcher nachgemachter Waren zu sein. Und
ich glaube, wir dürfen nicht nur den Fokus
auf diejenigen lenken, die Ideen klauen, sondern
wir müssen auch den Fokus auf die lenken, die
es erst sinnvoll, also die Geldschöpfungskette
ermöglichen, dass geklaut wird. Wenn von einer
Idee eine Raubkopie gemacht wird, ob von Jugendlichen
oder anderen, wenn von Urlaubern in ganz bestimmten
Stränden dieser Welt eine Kopie von Markenartikeln
gekauft wird, und zwar ganz bewusst, weil sie wissen,
dass es eine Kopie ist - das merken sie spätestens
am Preis, aber letztendlich auch an der Qualität
- dann haben sie genauso Verantwortung zu tragen
für den Kreislauf dessen, was wir diesen Markt
der Diebe des geistigen Eigentums nennen, wie diejenigen,
die das erst wieder nachproduzieren. Wir alle sind
verführt davon eine falsche Rolex zu kaufen,
oder ein Lacoste-Hemd, von dem wir genau wissen,
dass das Krokodil nur angenäht ist - und zwar
von außen statt von innen wie im Original.
Wir alle denken uns: „Mein Gott, muss ich
denn das 10fache oder 15fache wirklich ausgeben?“
Aber wenn wir uns bewusst darüber werden würden,
dass wir als Konsumenten uns selbst betrügen,
weil die Qualität dessen, was wir erwerben
nicht einmal das Zehntel wert ist, das wir bezahlen,
so mag dann die Wahrheit darin bestehen, dass die
neun Zehntel teurer zu teuer sind. Aber eins ist
sicher, dass Zehntel-Warenprodukt ist mit Sicherheit
zu teuer, weil es schnell kaputt geht und seine
Funktion aufgibt, so müssen wir uns darüber
bewusst sein, dass wir bei den Käufern der
Produkte ein Bewusstsein dazu zu schaffen haben,
dass diese Haltung weltwirtschaftlich - makrowirtschaftlich
wie mikrowirtschaftlich - zu einem enormen volkswirtschaftlichen
Schaden führt.
Sie haben es gerade angesprochen, die Zahlen, ich
will sie nur kurz wiederholen, was den Bereich des
Arbeitsmarktes angeht. Wir wissen von 200.00 Arbeitsplätzen,
die garantiert verloren gehen - übrigens, die
Statistiken sagen, davon rund 50.000 in der Bundesrepublik
Deutschland - wahrscheinlich sind die Zahlen noch
viel höher, aber eins steht fest: Wenn wir
es nicht schaffen, dass kreative Ideen, das Entwickeln
von Ideen, gerade auch im Mittelstand geschützt
bleiben, werden wir auch, was die Kreativität
dieser kleineren und mittleren Unternehmen angeht,
keine Zukunftsperspektive anbieten können.
Die Großunternehmen können sich gegen
Plagiatoren relativ leicht schützen: Sie haben
große Rechtsabteilungen, sie haben die Möglichkeit
durch ihre Patentanwälte und ähnliche
rechtliche Schritte sehr kontrolliert dies festzustellen.
Aber für einen Mittlerständler, für
einen Kleinunternehmer ist dies in der Regel dann
auch unter Umständen existenzgefährdend.
Deswegen ist das, was wir hier ein Stück schmunzelnd
zelebrieren, eine hochernste Angelegenheit.
Eine letzte Bemerkung: Wenn es überhaupt etwas
gibt, was den Menschen unterscheidet von allen anderen
Lebewesen, dann die Fähigkeit kreativ Ideen
zu entwickeln, mit der Intelligenz und der Verknüpfung
des Wissens Neues zu gestalten, aber auch der künstlerischen
Eigenschaft in kreativen Prozessen in denen Design
und andere Fragen eine große Rolle spielen,
die Sinne des Menschen anzusprechen. Dieses zu schützen,
und damit zu fordern und zu fördern, wie es
hochmodern momentan in unserem Land heißt,
wenn man über Wirtschaftsfragen anspricht,
ich glaube das ist ein wunderbares Ziel und ich
möchte Ihnen, lieber Professor Busse ganz herzlich
danken, dass Sie uns seit Jahren mit diesem Ziel
furchtbar auf die Nerven gehen.
So, nun sind wir soweit, dass wir die Preisträger
ausrufen können.