Der von Plagiatoren und Fälschern
gefürchtete Negativpreis "Plagiarius"
wird dieses Jahr bereits zum 29. Mal verliehen.
Symbolfigur des 1977 von Designer Rido Busse initiierten
Preises ist der schwarze Zwerg mit der goldenen
Nase. Der Plagiarius zeigt öffentlich die Unverfrorenheit
und Skrupellosigkeit von Nachahmern. Mangels eigener
Kreativität und vor allem aus Profitgier werden
innovative Ideen Anderer 1:1 übernommen und
als eigene Leistung ausgegeben. Mit der Preisverleihung
klärt die Aktion Plagiarius sowohl Designer
und Firmen, aber auch Politiker, den Gesetzgeber
und nicht zuletzt die Konsumenten über das
enorme Ausmaß und die negativen Auswirkungen
von Plagiaten und Fälschungen auf. Sie sollen
für einen bewussteren und kritischeren Umgang
mit dem Thema „Original und Plagiat“
sensibilisiert werden.
Die Europäische Kommission schätzt, dass
heute bereits 7-10% des Welthandels Fälschungen
und Plagiate sind und dass dadurch weltweit ein
volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von €
200-300 Mrd. pro Jahr entsteht und mehr als 200.000
Arbeitsplätze vernichtet werden. Alarmierende
Zahlen, bei denen man nicht mehr von einem Kavaliersdelikt
sprechen kann, sondern vielmehr von skrupelloser
Wirtschaftskriminalität, die es mit allen Mitteln
aktiv zu bekämpfen gilt.
Auch Binnenmarktkommissar Fritz Bolkestein betonte
im Rahmen der eu-weiten Verabschiedung der ‚Richtlinie
zur Durchsetzung der Rechte an geistigem Eigentum’
am 9. März 2004: „Nachahmer und Produktpiraten
untergraben den legalen Handel und senken die Innovationsbereitschaft.
… (Sie) bringen die Rechteinhaber um den wohlverdienten
Lohn für ihre Arbeit. Wenn wir dem keinen Riegel
vorschieben, gehen die Anreize für industrielle
Innovation und kulturelles Schaffen verloren. Dies
würde die Wettbewerbsfähigkeit und die
kulturelle Vielfalt und Dynamik Europas bedrohen.“
Auch Faktoren wie internationaler Wettbewerb, moderne
Technik und immer kurzlebigere Trends führen
zu immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen,
die es den Innovativen kaum noch ermöglichen,
die Gewinnschwelle zu erreichen. Unternehmen geraten
zunehmend unter Druck, ständig neue Produkte,
Trends und Erlebniswelten zu kreieren. Kaum sind
die neuesten viel versprechenden Ideen aber auf
Messen präsentiert, beginnt nicht nur der erhoffte
Absatz, sondern häufig läuft parallel
bereits die Produktion von Plagiaten und Fälschungen
auf Hochtouren. Vor diesem Hintergrund macht die
Aktion Plagiarius immer wieder auf die Bedeutung
von Gewerblichen Schutzrechten aufmerksam. Eingetragene
Schutzrechte (Patente, Marken, Gebrauchs- und Geschmacksmuster)
geben Designern, Erfindern und Unternehmen eine
juristische Grundlage, die in Forschung, Entwicklung
und Marketing getätigten Investitionen wieder
zu erwirtschaften bzw. im Streitfall einzuklagen.
Dieser Return on Investment ist wesentliche Voraussetzung
für zukünftige Investitionen in die Entwicklung
neuer Produkte – neuer Originale. Diese sichern
Fortschritt, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze
in Deutschland.
Für das katastrophale Ausmaß des Problems
der Produkt- und Markenpiraterie sind aber nicht
nur die Hersteller – oftmals aus Fernost -
und die Händler verantwortlich. Hauptverantwortlicher
ist der Auftraggeber der Fälschungen und Plagiate.
Dieser ist jedoch oftmals nicht ein asiatisches
Unternehmen, sondern der deutsche, europäische
oder amerikanische Konkurrent, der ein bestimmtes
Produkt z. B. in China oder Taiwan billig nachmachen
lässt, um es gewinnbringend z. B. in Europa
zu vermarkten. Es ist daher wichtig, die gesamte
Wertschöpfungskette, d.h. alle am Prozess Beteiligten,
zu überprüfen und ggfs. abzumahnen.
Das letzte Glied in der Wertschöpfungskette
sind die Konsumenten. Vielfach sind sie die Betrogenen,
die unwissentlich Plagiate kaufen und schnell die
negativen Auswirkungen der minderwertigen Waren
zu spüren bekommen. Durch Missachtung jeglicher
Standards in Bezug auf Qualität und Sicherheit
ist nicht nur schnell die Freude getrübt, sondern
es sind auch Gesundheit oder sogar Leben gefährdet.
Beispiele hierfür sind u. a. Medikamente ohne
Wirkstoffe, mangelhafte (Kfz-)-Ersatzteile, die
zu Unfällen führen, Spielzeug und Textilwaren,
hergestellt mit giftigen oder allergie-auslösenden
Farben oder Fasern, elektronische Produkte, die
leicht entflammbar sind etc.
Manche Konsumenten erwerben aber auch sehr bewusst
gefälschte oder nachgeahmte Ware und nehmen
in Kauf, dass der Originalhersteller geschädigt
wird und sie selbst ein minderwertiges Produkt erhalten.
Besonders beliebt sind Mitbringsel aus dem Urlaub,
Schnäppchen vom Flohmarkt, aber auch das anonyme
Einkaufen über das Internet.
Die Verbraucher sollten wieder kritischer werden,
mehr Bewusstsein für Qualität entwickeln
und sich beim Kauf nicht nur am Preis orientieren.
Wenn sie kein Interesse an gefälschten oder
nachgeahmten Waren äußern würden
– wenn also keine Nachfrage bestünde
– wäre der Anreiz zum Kopieren erheblich
geringer.
Es liegt in der Verantwortung aller Beteiligten
das Problem durch Umdenken und aktives Handeln in
den Griff zu bekommen.
Die Jury des Plagiarius 2005:
Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus
Vertretern der Bereiche Design, Gewerblicher Rechtsschutz,
Wirtschaft, Medien etc. Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs
2005 setzte sich wie folgt zusammen:
Johannes Graf Esterházy
Director Brand Integrity, Western Europe,
Philip Morris International Management S.A., Lausanne,
Schweiz
Lisa Maria Franke
Geschäftsführerin Bayern Design GmbH,
München und Nürnberg
Dr. Karlmann Geiss
Präsident des Bundesgerichtshofs (Karlsruhe),
a. D., Ulm
Manfred Kohnke
Chefredakteur Gault Millau, Christian Verlag GmbH,
München
Dr. Rolf Schultz-Süchting
Rechtsanwalt, Anwaltskanzlei Schultz-Süchting,
Hamburg
Antje Sedemund-Treiber
Präsidentin des Bundespatentgerichts (München),
a. D., Wachtberg
Dr. Lutz van Raden
Richter am Bundespatentgericht, München
Sabine Zentek
Rechtsanwältin und Publizistin, Dortmund
Juristische Beratung: · Dr. Aliki Busse
Rechtsanwältin, Anwaltskanzlei Busse &
Partner, München
Die Preisträger
des Plagiarius 2005:
Die Jury traf sich am 22. Januar 2005 und vergab
drei Preise, sechs Auszeichnungen und einen Sonderpreis
aus insgesamt 30 Einsendungen:
1. Preis
Waschtisch-Armatur "Tara Classic“
Original: Hersteller: Aloys F. Dornbracht GmbH &
Co. KG, Iserlohn
Design: Sieger Design, Sassenberg
Plagiat: Hersteller: Perfect Design Creator Intl.
Co. Ltd., Taipei, Taiwan
Vertrieb: Nach der Plagiarius-Verleihung haben sich
Dornbracht und der deutsche Händler geeinigt
– das Plagiat wurde in Deutschland vom Markt
genommen
Synchron-Motor "Elektra"
Original: Trietex GmbH, Efringen-Kirchen
Plagiat: Hersteller: Qing Ying Enterprise, Shanghai,
China
Vertrieb: Forest Group B.V., Oeventer, Niederlande
Proportional-Druckregelventil “MPPE-3-1/8-10-010B”
Original: Festo AG & Co. KG, Esslingen
Plagiat: Wuxi Hengli Hydraulic & Pneumatic Co.
Ltd., Hudai Town of Wuxi, China
Eierbecher “Speedy & Friends”
Original: Casablanca GmbH & Co. KG Modernes
Design, Bocholt
Plagiat: Hersteller: Rosco International Corp.,
Taipei, Taiwan
Vertrieb: Nach der Plagiarius-Verleihung haben sich
Casablanca und der deutsche Händler geeinigt
– das Plagiat wurde in Deutschland vom Markt
genommen
Sonderpreis für einen Serientäter
Keramik-Serie: Vasen "Barrique" (7 Teile)
Original: Scheurich GmbH & Co. KG, Kleinheubach
Plagiate: Chengda Porcelain Art Fty, Chaozhou, China
Die Verleihung des „Plagiarius 2005“
findet statt während der
Frankfurter „Ambiente“
Congress Centrum, Messe Frankfurt, Raum „Illusion
1-3“
Termin: Freitag, 11. Februar 2005, 11:30 Uhr.
Die Laudatio auf die „Preisträger“
hält Dr. Michel Friedman, Rechtsanwalt, Publizist
und Präsident des Keren Hayesod Deutschland
– Vereinigten Israel Aktion e.V.
Die Plagiarius-Preisträger 2004 und 2005 werden
im Rahmen der Sonderschau "Plagiarius"
vom 11. - 15. Februar 2005 im Foyer 4.1 (Halle 4,
1. Stock) präsentiert.