Seit 1977 verleiht die Aktion Plagiarius
(geführt von Prof. Rido Busse, Dr. Peter Stehle
und Hans Peter Stihl) jährlich die gefürchtete
Negativauszeichnung "Plagiarius". Symbol ist der
schwarze Zwerg mit der goldenen Nase. Ausgezeichnet
werden Unternehmen und Designer, die dreist, aber
einfallslos Pro-dukte anderer 1:1 abkupfern und
daraus Profit schlagen. Die Plagiatoren sparen nicht
nur Entwicklungs- und Marketingkosten, häufig
setzen sie schlechte Materialen ein und produzieren
in Billigstlohnländern. Auch 2003 wurden der
Aktion Plagiarius wieder zahlreiche Units -Originale
und Plagiate- eingereicht:
Die Jury hatte es dieses Mal besonders schwer: Zum
einen war die Anzahl der Einsendungen sehr hoch,
zum anderen präsentierten sich der Jury 48 identische
Zwillingspärchen, auf den ersten Blick eins dreister
als das andere.
Die Juroren mussten sich folglich die Frage stellen,
wann ein Plagiat besonders dreist ist und somit
den gefürchteten Negativpreis verdient? Ist es unverschämt,
wenn das Plagiat exakt gleich aussieht, dem Original
in puncto Qualität in nichts nachsteht und somit
dem kreativen Ideengeber den Markt weg nimmt? Oder
ist es noch unverfrorener, wenn die Qualität des
Plagiats deutlich schlechter ausfällt und somit
das Image des Original-Herstellers ruiniert wird?
Und was ist, wenn die Produkte sich in Kleinigkeiten
unterscheiden, der Gesamteindruck jedoch identisch
ist? Noch immer gibt es einige Richter, die in solchen
Fällen dem vermeintlichen Plagiator Recht geben,
da die Produkte nicht 100% übereinstimmen. Leider!
Und das wissen viele Plagiatoren und nutzen die
Situation aus.
Das Problem der Plagiate ist sehr komplex und muss
von Fall zu Fall unterschiedlich bewertet werden.
Es gilt Hintergründe zu beleuchten und die
individuelle Situation zu betrachten, bevor man
eine Entscheidung fällt. Viele Faktoren spielen
eine Rolle, u.a. Innovationsgrad, Entwicklungsaufwand,
Qualität etc. Ein Juror hat die Sache vor Jahren
auf den Punkt gebracht, indem er sagte: "Ich lasse
mich vom Grad meiner Empörung leiten".
Die diesjährigen Preisträger machen deutlich, wie
wichtig es ist, Sonderschutzrechte anzumelden und
diese gerichtlich zu verteidigen. Häufig konnte
der weitere Verkauf von Plagiaten bzw. Import in
Hauptabsatzmärkte per Einstweiliger Verfügung und
Unterlassungserklärung erfolgreich unterbunden werden.
Auch der Einsatz von Kennmarkierungen zur eindeutigen
Identifizierung der Originale gewinnt zunehmend
an Bedeutung und liefert manchmal die einzige Möglichkeit
Original und Plagiat überhaupt zu unterscheiden.
Die Jury:
Die jährlich wechselnde Jury des Plagiarius-Wettbewerbs
setzte sich dieses Jahr wie folgt zusammen:
- Prof. Dr. Ulrich Goll, Justizminister a.D., Stuttgart
-Richard A. Hussmanns, Geschäftsführer Steiff Beteiligungsgesellschaft
mbH, Giengen / Brenz
-Dr. Peter Mihatsch, Aufsichtsratsvorsitzender Giesecke
& Devrient GmbH, München
- Michael Nagel, Kriminaloberrat Wirtschafts-u.
IuK-Kriminalität, Bundeskriminalamt, Wiesbaden
- Christl Schwörer, Gesellschafterin PERI GmbH,
Weißenhorn
- Prof. Iso Wagner Rektorin Fachhochschule Schwäbisch
Hall
Juristische Beratung:
- Dr. Aliki Busse, Rechtsanwältin, Busse + Partner,
München
Die Preisträger:
Die Jury tagte am 18. Januar 2003 und vergab drei
Preise, fünf Auszeichnungen und fünf Sonderpreise
aus 48 Einsendungen:
- Der 1. Preis ging an die ALUTOP AG, Vaduz, Liechtenstein,
für das Plagiat einer Profilserie der item GmbH,
Solingen.
- Der 2. Preis wurde an die Firma Heart Basket,
Seoul, Korea für das Plagiat des Henkelbechers und
des Minisnacktellers der Serie "Update" der Fa.
KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH, Kahla vergeben.
- Der 3. Preis ging an die Fa. Zhejiang Hangyu Ind.
Co.Ltd., Zhejiang, China für die Plagiate des Trennschleifers
TS 400 der Fa. ANDREAS STIHL AG & Co. KG, Waiblingen.
Fünf "Auszeichnungen" wurden vergeben an:
- Better Design Products Company Ltd., Ningbo, China
für das Plagiat der Isolierkanne "La Ola" der Fa.
alfi Zitzmann GmbH, Wertheim
- Kobrink & Wagner GmbH, Essen für das Plagiat der
Ringe "Rosen" / "Seerosen" der Designerin Julia
Oehler, Stuttgart
- Rubinetterie Zazzeri S.p.A., Bagno a Ripoli, Italien
für das Plagiat der Waschtischarmatur "Tara" der
Fa. Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG, Iserlohn
- Unbekannter chinesischer Hersteller für das Plagiat
des Brausensets "Relexa Plus Top 4" der Fa. Friedrich
Grohe AG & Co. KG, Hemer
- Unbekannter chinesischer Hersteller für das Plagiat
der Handbrause "Relexa Plus Top 4" der Fa. Friedrich
Grohe AG & Co. KG, Hemer Folgende fünf "Sonderpreise"
wurden verliehen:
- Den "Sonderpreis für Wiederholungstäter" erhielt
die Firma M. Westermann & Co. GmbH, Arnsberg für
das Plagiat des Kreuzschwinger® Modell 0.2 des Designers
Prof. Dr. Till Behrens, Frankfurt
- Der "Sonderpreis für eine Fälschung" ging an einen
unbekannten chinesischen Hersteller für das Plagiat
des Küchenmessersets "GLOBAL" der Fa. MASTER Cutlery
Corporation, Funabashi, Japan
- Ein "Krämerseelenpreis" wurde an die Norma Warenhandel
GmbH, Nürnberg, vergeben für den Vertrieb des Plagiats
des Korkenziehers "Leverpull Metal Edition" der
Fa. Le Creuset GmbH, Notzingen
- Ein weiterer "Krämerseelenpreis" ging an die Firmen
Leißler GmbH Fundgruben, Gernsheim und Weinsheim
+ Noor Handels GmbH, Rodgau für den Vertrieb des
Plagiats der Spülbürste "Tim" der Fa. Koziol >>ideas
for friends GmbH, Erbach
- Neu ins Leben gerufen wurde der "Sonderpreis für
Serientäter". Dieser wurde der Fa. China Tuhsu Zhejiang
Tea I/E Corp, Hangzhou, China verliehen für die
folgenden 11 Plagiate der Fa. Koziol >>ideas for
friends GmbH, Erbach: Eierbecher Olaf, Kapselheber
Froschkönig, Kapselheber X-Ray, Wandhaken Bunny,
Badethermometer Joe Pool, Korkenzieher Sancho, Fotohalter
Kookoo, CD-Halter DJ, Phone Butler Johnny, Gemüsebürste
Tweetie, Spaghettiheber Gina
Verliehen wird der "Plagiarius 2003" auf der "Ambiente",
Congress Centrum Messe Frankfurt,
Raum "Illusion 1-3".
Termin: Freitag, 14. Februar 2003, 11:30 Uhr.
Die Laudatio auf die "Preisträger" hält Dr. Ingo
Kober, Präsident des Europäischen Patentamts, München.
Die Plagiarius-Preisträger 2002 und 2003 werden
Ihnen im Rahmen der Sonderschau "Plagiarius" während
der Ambiente vom 14.-18. Februar 2003 im Foyer 4.1
präsentiert.