15.02.2002 - Plagiarius-Verleihung
2002 auf der "Ambiente" in Frankfurt
Der Trend ist ebenso traurig wie
eindeutig: Im Vergleich zu 2001 hat sich die Zahl
der zum Wettbewerb eingereichten Units (jew. Original
u. Plagiat) fast verdoppelt und es scheint, dass
Nachahmungen "Hochkonjunktur" haben. Die Plagiatoren
- und auch die Händler von Plagiaten - stammen aus
aller Welt.
Vorbei sind die Zeiten, in denen die Diebe geistigen
Eigentums überwiegend aus Fernost kamen. Auch
europäische und amerikanische Unternehmen haben
"gelernt", dass man mit Plagiaten und Fälschungen
schnelles Geld verdienen kann - und schon ist es
vorbei mit den Skrupeln - nationenübergreifend.
Die Plagiatoren sparen nicht nur die Kosten für
Forschung, Entwicklung und für Marketing; meist
produzieren sie in Billiglohnländern und sparen
auch bei den Produktionskosten. Da die Plagiatoren
meist minderwertige Materialien einsetzen, d.h.
schlechte Qualität anbieten, entsteht den Herstellern
der Originale zusätzlich zum wirtschaftlichen Schaden
häufig noch ein gravierender Imageverlust. In einigen
Branchen, wie z.B. Medizin, Spielzeug oder aber
technische Ersatzteile, kann sich die schlechte
Qualität sogar lebensbedrohlich auswirken.
Zugegebenermaßen gibt es keinen Fortschritt, ohne
dass man sich an bereits bestehenden Ideen und Vorlagen
orientiert. Worauf es aber ankommt, ist die Bereitschaft,
das Existierende intelligent weiter zu entwickeln
und neuen Produkten eine persönliche Note und eigenständige
Identität zu geben.
Um erfolgreich gegen die Kriminellen in Nadelstreifen
vorgehen zu können, empfehlen wir den Kreativen,
Designern, Erfindern und innovativen Unternehmen,
sich ihre Ideen schützen zu lassen. Dies ist zwar
mit Investitionen verbunden, versetzt sie aber in
die Lage, die Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen.
In Kooperation mit der NRV-Versicherung bietet die
Aktion Plagiarius exklusiv ihren Fördermitgliedern
eine spezielle "Plagiate"-Rechtsschutzversicherung
an, die als einzige die gerichtliche Geltendmachung
von Sonderschutzrechten (Patent, Urheberrecht, Marke,
Geschmacksmuster, Gebrauchsmuster) ermöglicht. Die
Deckungssumme pro Rechtsschutzfall beträgt Euro
50.000,00.
Wer das ganze Ausmaß der plagiierenden Zunft kennen
lernen möchte, der ist im Museum Plagiarius in Berlin
willkommen (Adresse unter www.plagiarius.com), um
sich die Plagiarius-Preisträger von 1977 bis heute
anzuschauen. Mit Führungen durch das Museum und
in Seminaren und Workshops leisten wir Aufklärungsarbeit
und informieren Interessierte über Problematik,
Sonderschutzrechte und Möglichkeiten, Produkte fälschungssicher
zu machen.
Die jährlich wechselnde Jury des Plagiarius-Wettbewerbs,
bestehend aus Vertretern der Bereiche Wirtschaft,
Design, Medien und juristische Beratung, setzte
sich dieses Jahr wie folgt zusammen:
Dr. Birgit Buschmann, Geschäftsführerin des Instituts
für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim
Ralf Milde, Milde KulturConsulting Ulm
Dr. Jürgen Schade, Präsident des Deutschen
Patent- und Markenamtes, München
Dr. Rüdiger Stihl, Geschäftsführer Andreas Stihl
AG & Co., Waiblingen
Juristische Beratung:
Dr. Aliki Busse, Rechtsanwältin, Busse + Partner,
München
Die Jury tagte am 19. Januar 2002 und vergab drei
Preise, sieben Auszeichnungen und drei Sonderpreise
aus insgesamt 41 Einsendungen:
Der 1. Preis ging an einen chinesischen Hersteller,
Name unbekannt (Vertrieb: La Foir Fouille S.A.,
Castelnau Le Lez, Frankreich) für das Plagiat des
Garderobenständers "Eden" der Firma KOZIOL Geschenkartikel
GmbH, Erbach.
Der 2. Preis wurde an die Firma Calvin Klein Eyewear,
New York, USA für das Plagiat der Titan-Brille der
Firma Silhouette International Schmied AG, Linz,
Österreich vergeben.
Der 3. Preis ging an die Firma Pemaks, Istanbul,
Türkei für das Plagiat der Pneumatischen Zylinder
der Firma Festo AG + Co., Esslingen.
Sieben "Auszeichnungen" wurden vergeben an:
Broste Design A/S, Lyngby, Dänemark für das Plagiat
des Fotohalters inkl. Verpackung der Firma INDUSTRIELLE,
Nages, Frankreich (eingereicht durch: Lantelme Distribution,
Darmstadt)
FAMI SpA, Rosa, Italien für das Plagiat der Mehrwegbehälter-serie
MB der Firma Bito Lagertechnik Bittmann GmbH, Meisenheim
Jet Tern Co., Taipeh, Taiwan für das Plagiat des
Bestecks "ANGOLO" der Firma M.H. Wilkens & Söhne
GmbH, Bremen
Jet Tern Co., Taipeh, Taiwan für das Plagiat des
Bestecks "ANTHURIA" der Firma M.H. Wilkens & Söhne
GmbH, Bremen
Kraftwerk Impex Patrick Wyss, Möchaltdorf, Schweiz
für das Plagiat des Magnethalters USH BiG der Firma
USH Schraubwerkzeugfabrik, Hilchenbach
Tera RD Komenda, Slovenien für das Plagiat der Kaffeetasse
der Firma Rokus Publishing House Ltd., Ljubljana,
Slovenien
Wenzhen Success Grouß Ltd., Xiaogang Ningbo, China
für das Plagiat des Thermometers "Romeo + Julia"
der Firma KOZIOL Geschenkartikel GmbH, Erbach
Den "Sonderpreis für Wiederholungstäter" erhielt
Ð und das zum wiederholten Mal - die Firma Merlin
GmbH, Forchtenberg für das Plagiat des Holzpuzzles
der Firma Spiel & Holz Design GmbH, Engstingen
Der "Sonderpreis für eine Fälschung" ging an die
Firma ABC Lightning Protection Ltd., Shenzhen, China
für das Plagiat des Überspannungsableiters V20-C/1
der Firma OBO Bettermann GmbH, Menden
Der "Krämerseelenpreis" wurde an die Galeries Lafayette,
Paris, Frankreich vergeben für den Vertrieb des
Plagiats der Rührschüssel "Focus" der Firma Authentics
GmbH, Gütersloh
Verliehen wird der "Plagiarius 2002" auf der "Ambiente",
Congress Centrum Messe Frankfurt, Raum "Illusion
1-3". Termin: Freitag, 15. Februar 2002, 11:30 Uhr.
Die Laudatio auf die "Preisträger" hält Dr. Dieter
Hundt, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen
Arbeitgeberverbände e.V. Das Grußwort spricht Frankfurts
Oberbürgermeisterin Petra Roth.