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15.02.2002 - Rede von Prof. Rido Busse anlässlich der Plagiarius-Verleihung 2002 in Frankfurt

 
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrter Herr Dr. Hundt,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

der Aufbau einer Marke kostet Unternehmen viel Zeit, Geld und Kraft. Eine Marke entsteht nicht aus dem Nichts, sondern entwickelt sich über Jahre hinweg durch Kontinuität. Sie gibt einem Unternehmen Profil, d.h. eine eigenständige Identität und macht es dadurch unverwechselbar. Marke hat aber auch etwas mit Verantwortung zu tun. Kunden vertrauen einer Marke und dieses Vertrauen darf nicht enttäuscht werden. Und genau darum geht es hier. Die Anzahl an Fälschungen, Markenverletzungen und Plagiaten steigt weltweit drastisch an; solide und innovative Unternehmen geraten ernsthaft in Schwierigkeiten und die Glaubwürdigkeit von Marken wird zerstört. - Dagegen muss dringend etwas unternommen werden. Mit der jährlichen Vergabe des Negativpreises Plagiarius leisten wir einen kleinen Beitrag. Wir leisten Aufklärungsarbeit, klopfen den Plagiatoren auf die Finger und reden Ihnen ins Gewissen - sofern die Verantwortlichen überhaupt ein Gewissen haben - wenn es um das schnelle Geld geht, scheint es schnell vorbei mit den Skrupeln. Im Nu machen sie die erfolgreiche Arbeit anderer zu Nichte, täuschen über ihre eigene Einfallslosigkeit hinweg und denken nur an ihren eigenen Profit.

In den Medien werden die Begriffe "Fälschung" und "Plagiat" nach wie vor oft wahllos verwendet; Ich weiss, Sie liebe Journalisten mögen Texte, die sich flüssig lesen und benutzen ungern dasselbe Wort immer und immer wieder. Es ist aber sehr wichtig, die Begriffe zu unterscheiden und bewusst mit Ihnen umzugehen. Bei beiden hat die Nachahmung den Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung. Bei einer Fälschung jedoch ist die Täuschung über die Herkunft zusätzlich perfekt ausgeführt. Der Käufer ist der festen Überzeugung, dass er das Produkt einer renommierten Firma erwirbt. Klassische Beispiele hierfür sind T-Shirts von Lacoste und Hugo Boss, Rolex-Uhren und Levis-Jeans. Der Tatbestand der Fälschung ist ein kriminelles Delikt und kann auch entsprechend geahndet werden. Fälschungen sind jedoch nicht unser größtes Problem. Gegen Fälscher gibt es eindeutige Gesetze und Strafen, die von den Gerichten nur verhängt werden müssen. Plagiate sind dreiste und einfallslose Nachahmungen, die unter eigenem Namen veröffentlicht werden. Was uns Designer besonders ärgert, sind die subtilen Plagiate, bei denen zwar jedes Detail etwas anders aussieht, aber der Gesamteindruck dem eines bekannten Produktes entspricht.

Zugegebenermaßen gibt es keinen Fortschritt, ohne dass man sich an bereits bestehenden Ideen und Vorlagen orientiert Ð das ist im Design nicht anders als in der Literatur, der Musik oder aber der Technik. Wichtig ist die Bereitschaft, das Existierende intelligent weiter zu entwickeln, neue Funktionen zu ergänzen und den Produkten eine persönliche Note und eigenständige Identität zu geben.

Um erfolgreich gegen die Kriminellen in Nadelstreifen vorgehen zu können, empfehlen wir den Kreativen, Designern, Erfindern und innovativen Unternehmen, sich ihre Ideen schützen zu lassen. Ich gebe zu, dass die Registrierung von Schutzrechten mit Investitionen verbunden ist, es versetzt Sie aber in die Lage, die Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Und genau das ist unser Ziel; nicht den Kopf in den Sand stecken und sich demotivieren lassen, sondern den Plagiatoren die Stirn bieten und Sie verantwortlich machen für den entstandenen Schaden und den entgangenen Gewinn.

Die Aktion Plagiarius engagiert sich in vielerlei Hinsicht im Kampf gegen den Diebstahl Geistigen Eigentums. Unter anderem unterstützen wir seit kurzem alle Innovativen, indem wir Ihnen die gerichtliche Geltendmachung Ihrer Ansprüche aus Sonderschutzrechten ermöglichen. Hohe Anwalts- und Gerichtskosten sollen ab jetzt kein Grund mehr sein, nicht vors Gericht zu ziehen. In Kooperation mit der NRV-Versicherung bieten wir exklusiv den Fördermitgliedern der Aktion Plagiarius eine spezielle "Plagiate"-Rechtsschutzversicherung an, die als einzige die gerichtliche Geltendmachung von Sonderschutzrechten ermöglicht. Gegenstand der Versicherung ist die gerichtliche Wahrnehmung der rechtlichen Interessen aus den Bereichen Patentrecht, Urheberrecht, Markenrecht, Geschmacksmusterrecht und Gebrauchsmusterrecht. Die Deckungssumme pro Rechtsschutzfall beträgt Û 50.000,00. Die Versicherung lohnt sich für jeden Kreativen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer wichtiger Massnahmen im Kampf gegen die Ideendiebe, aus Zeitgründen möchte ich aber nur zwei noch kurz erwähnen:

Das erste ist die sogenannte Grenzbeschlagnahme durch den Zoll. Dies ist ein Instrumentarium, das es den Zollbehörden erlaubt, schutzrechtsverletzende Waren frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Ergeben sich bei der Einfuhr oder Ausfuhr tatsächlich Hinweise, dass es sich um schutzrechtsverletzende Waren handelt, so wird die Aussetzung der Überlassung angeordnet, d.h. die Ware vorerst zur Überprüfung fest gehalten, und der Rechtsinhaber informiert. Voraussetzung ist sein entsprechender Antrag. Weiterhin die Möglichkeit der Kennzeichnung von Produkten. Viele Firmen, u.a. die Bundesdruckerei und Giesecke & Devrient bieten Lösungen an, um Produkte eindeutig zu kennzeichnen und somit fälschungssicher zu machen. In Kooperation mit diesen Firmen bietet die Aktion Plagiarius Seminare und Workshops an, in denen gezielt informiert und beraten wird.

Abschließend möchte ich noch auf unser Museum Plagiarius in Berlin hinweisen; ein Projekt, das in jeder Beziehung ein voller Erfolg ist und auf das nicht nur ich stolz bin. Bei der letztjährigen Verleihung habe ich bereits von meinem Traum berichtet Ð nun ist er wahr geworden und wir haben das Museum am 6. November 2001 eröffnet. Ohne jegliche staatliche Unterstützung, dafür aber mit herausragender Unterstützung der Industrie, des Handwerks, des Handels, der Messegesellschaften, der Medien und auch einzelner Privatpersonen ist unser Museum in der KulturBrauerei an der Schönhauser Allee 37 entstanden. Einen erheblichen Beitrag zur Realisierung des Projekts hat die Zusage Hans Walls, dass die WALL AG die Miete inkl. aller Nebenkosten für zunächst zwei Jahre übernimmt, geleistet. Hans Wall ist übrigens heute anwesend und so nutze ich die Gelegenheit, mich nochmals herzlich bei ihm zu bedanken. Aber auch zahlreiche weitere Unternehmen und sogar Einzelpersonen zeigten sich großzügig und trugen mit Sach- und Geldspenden wesentlich zur Entstehung des Museums bei. Arthur Fischer Ð alle kennen die Fischer-Dübel Ð hat sich gerade eben bereit erklärt, jährlich Û 20.000 bis an sein Lebensende zu stiften.

Auf 400 qm Fläche präsentieren wir Ihnen eine weltweit einzigartige Exponatesammlung von mehr als 150 Units, jeweils Original + Plagiat, die wir seit 1977 gesammelt haben. Die diesjährigen Preisträger werden kurz nach der Ambiente das Sortiment ergänzen. In unserem Seminarraum sowie im Vortragsaal finden Vorträge, Workshops und Seminare statt, in denen wir unsere Aufklärungsarbeit betreiben. Die große Medienpräsenz sowie die hohen Besucherzahlen zeigen, dass unser Projekt ein voller Erfolg ist. Während der langen Nacht der Museen in Berlin am 2. Februar staunten mehr als 2600 Besucher über die Unverfrorenheit der Plagiatoren.

Vergessen Sie nicht, schon im 19. Jahrhundert sagte der Schriftsteller Julius Langbehn: "Nachahmen und Nacheifern ist zweierlei!" Die Unterschiede sind manchmal fein, aber doch sehr wesentlich.

In diesem Sinne, freue ich mich über Ihr zahlreiches Erscheinen zur 26. Verleihung des Plagiarius und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.