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6. November 2001
Rede von Museumsleiterin Christel Kluge anlässlich der Eröffnung des Museum Plagiarius in Berlin

 
Als Leiterin des Museum Plagiarius in Berlin habe ich mit Freude die Aufgabe übernommen, Sie meine Damen und Herren, unsere lieben Gäste, ganz herzlich zu begrüßen. Erlauben Sie mir bitte, dass ich den heutigen Anlass - die offizielle Eröffnung des Museum Plagiarius - nutze, ein kurzes Resümee zu ziehen.

Ein Zeitraum, der angefüllt war mit Ereignissen, die begeisterten, motivierten und - frustrierten. Ereignisse, die manchmal fast zuviel Kraft und Einsatz erforderten, Ereignisse, die auf der einen Seite Adrenalinstöße hervorriefen, auf der anderen Seite aber euphorisch werden ließen. -- Anfang November 2000 hatte ich eine Veranstaltung zu organisieren und traf dort das Ehepaar Busse - eine Veranstaltung, auf der Professor Busse eigentlich gar nichts zu suchen hatte - es war eine reine Frauenveranstaltung. Am Ende eines längeren Gesprächs fragte mich Prof. Busse, ob ich an der Leitung eines Museums interessiert sei, das es noch gar nicht gibt. Ich sagte spontan zu und hielt das Ganze für einen Witz. Ich hatte als Werbe- und PR-Fachfrau von dem "Plagiarius" gehört, besaß bis zu dem Zeitpunkt jedoch lediglich Kenntnisse über den Negativpreis, nicht aber über die Sammlung.

Ca. 14 Tage später stand ich das 1. Mal in den jetzigen Museumsräumen. Dort gab es Außenwände, Türen, Fenster und die Heizung Ð aber keinen Fußboden, keine Elektrik, keine Sanitärinstallation, keine Zwischenwände.

Professor Busse erzählte mir, dass er einen großzügigen Spender - Hans Wall - gefunden habe, der die Mietkosten übernimmt. Ohne ihn hätte das ganze Projekt überhaupt nicht in Angriff genommen werden können. Zwar ist diese Kostenübernahme auf 2 Jahre beschränkt. Aber wir alle wollen durch unsere Arbeit in den nächsten 2 Jahren dafür sorgen, dass Hans Wall auch in Zukunft dem Plagiarius Museum in Berlin diese großherzige Unterstützung zuteil werden lässt.

Die Museumsleiterin kam auf die Payroll der Firma busse design ulm. Ein Punkt in meinem Arbeitsvertrag lautet, dass ich für Spenden zuständig sei, u.a. wegen Selbsterhaltung. Und weil wir uns weder Architekt noch Bauleiter leisten konnten, fiel auch diese Arbeit mir zu. Obwohl das nicht im Vertrag steht.

Die Vision von Professor Busse, die Eröffnung des Museum Plagiarius Ende Mai 2001, konnte leider nicht realisiert werden. Die Lottogesellschaft gewährt nur dann Unterstützung, wenn ein Bauvorhaben nicht vor Antragsstellung begonnen wird. Meine vordringlichste Aufgabe bestand damals im richtigen Ausfüllen der Anträge an die Lottogesellschaft und der Beschaffung der verlangten Unterlagen und Nachweise. Ich hätte nie gedacht, wie langatmig und stressig das sein kann. Wir wissen jetzt, es war vertane Zeit, denn die Lottogesellschaft lehnte unseren Antrag im Juli 2001 ab.

Von diesem Moment an startete Professor Busse eine unglaubliche Aktion. Es gelang ihm innerhalb von 4 Monaten über 800.000 DM an Sach- und Geldspenden einzusammeln. In diesem Betrag sind aller-dings nur 100.000 DM Geldspenden enthalten, die aber dringend benötigt wurden. Viele der gespendeten Produkte waren nur dann brauchbar, wenn sie installiert oder montiert wurden. Und diese Kosten übernahmen verständlicherweise nicht alle Spender. Die Sachspender ließen sich nicht lumpen. Und so ist hier alles nur vom Feinsten. Sogar die Elektro-Installationskanäle an den Wänden sehen bei uns luxuriös aus. Es gibt wenige Museen, die sich eine so aufwendige Beleuchtung, ein so wunderschönes Vitrinensystem oder so funktionelle mobile Trennstellwände leisten können.

Das Museum Plagiarius ist eine kulturelle Einrichtung, die Aus- und Weiterbildung betreiben will. Hierfür musste der gemeinnützige Verein "Museum Plagiarius in Berlin e.V." gegründet werden. Die Vereinsgründung, die von Dr. Aliki Busse, Sie kennen sie bereits, und Jochen Aicham, dem Wirtschaftsprüfer, organisatorisch durchgezogen wurde, forderte auch mich im vollen Umfang. Ich habe unglaublich viel dabei gelernt. Mittlerweile hat die Finanzbehörde die Gemeinnützigkeit anerkannt.

Ich nenne Ihnen bewusst keine Spendernamen, denn das würde möglicherweise unsere Gemeinnützigkeit gefährden. Es könnte als Sponsoring ausgelegt werden. Alle betreffenden Personen und Unter-nehmen finden sich auf der Stiftertafel wieder. Allerdings auch hier nicht mit dem Wert Ihrer Leistung. Aber wer sich auskennt weiß, was hier geleistet wurde und von wem.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, am heutigen Eröffnungstag des Museums hat unser Haus keine einzige Mark Schulden, aber auch kein Bargeld mehr. Deshalb müssen wir weiter sammeln. Das Museum ist bisher ohne einen Pfennig öffentlicher Mittel entstanden, und dies ist Professor Busse zu verdanken und denen, die Ihn und die Plagiarius-Idee schätzen.

Die Presse hat Hans Wall einmal "Toilettenkönig" genannt. Hoffentlich nimmt Prof. Busse es mir nicht übel, wenn ich Ihn als "Bettlerkönig" bezeichne. Ich finde der "Toilettenkönig" und der "Bettlerkönig" passen prima zusammen.

Ich hoffe, dass Sie meine Begeisterung für dieses Museum verstehen können und auch teilen. Mein Dank gilt allen, die mich bei meiner Arbeit unterstützt haben. Ich wünsche Ihnen und mir einen wunderschönen Abend. Herzlichen Dank!