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Grußwort des Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, zur Eröffnungsfeier des "Museum Plagiarius in Berlin" am 6. November 2001 in der KulturBrauerei

 
Endlich ist es so weit: "Plagiarius" wird zur Dauerausstellung. Das "Museum Plagiarius in Berlin" wird von heute an Besuchern aus nah und fern vor Augen führen, wie geschickt, wie unverfroren und wie täuschend echt - in jedem Fall wie hemmungslos und rücksichtslos Plagiate im wirtschaftlichen Wettbewerb genutzt werden. Das Museum hat eine lange Vorgeschichte. Begonnen hat alles 1977 auf der Frankfurter Frühjahrsmesse mit einem Deja-vu-Erlebnis von Professor Busse: auf dem Stand eines Herstellers aus Hongkong entdeckte er ein exaktes Plagiat der von ihm für eine deutsche Firma entwickelten Waage. Das Plagiat war äußerlich fast identisch, allerdings erheblich billiger und - bei genauerem Hinsehen - qualitativ erheblich schlechter. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich die Idee vom Negativpreis "Plagiarius". Der schwarz lackierte und - als Symbol für Gewinn durch Plagiate - mit einer goldenen Nase versehene Gartenzwerg ist inzwischen zu einem Markenzeichen geworden, das dreisten Plagiatoren das Fürchten lehrt. Aus den Preisverleihungen entstanden Ausstellungen von Plagiatunits, also Original und Plagiat, die im In- und Ausland großes Interesse fanden. Immer wieder wurde dabei der Wunsch nach einer Dauerausstellung geäußert. Sie ist nun Wirklichkeit geworden.

Die Geschichte des kleinen Gartenzwergs mit der goldenen Nase ist zugleich ein Beispiel dafür, wie viel engagierte Bürgerinnen und Bürger durch eigenes Handeln bewirken können. Professor Busse hat nicht nur nach staatlichem Handeln gerufen, er hat zugleich ein erkanntes Problem selbst angepackt und mit der pfiffigen Idee des Negativpreises über die Jahre immer mehr öffentliche Wirkung erzielt.

Das ist zivilgesellschaftliches Engagement im besten Sinne des Wortes. Natürlich wird damit der Gesetzgeber hinsichtlich des Plagiatschutzes nicht aus seinen Verpflichtungen entlassen. Angesichts der Schwierigkeiten, internationale gesetzliche Regelungen zu treffen und durchzusetzen, bin ich jedoch zuversichtlich, dass der schwarze Gartenzwerg mit der goldenen Nase auch weiterhin eine heilsame Wirkung entfalten wird. Natürlich freut es mich besonders, dass das "Museum Plagiarius in Berlin " in der KulturBrauerei im Prenzlauer Berg seinen dauerhaften Sitz findet. Ich danke allen, die sich für dieses Projekt eingesetzt haben und hoffe auf weitere Unterstützung, insbesondere auf viele Sponsoren für dieses einzigartige Museum.

Wolfgang Thierse
Präsident des Deutschen Bundestages